Eine GoPro Hero 11 neben eine Vollformatkamera wie die Sony PXW-FS5 zu stellen, ist eine Zumutung. Generell gibt die 11er ein gutes Bild und schafft auch ein gutes Format, wenn auch mit der Einschränkung der einfachen Kompression (HEVC). Und gutes Licht braucht sie auch, sonst wird das Bild recht schwammig. Das ist aber hier zu erwarten.
Ich hatte versucht, die Framerates etwas in die Höhe zu schieben und war mit der FS5 auf 30 fps gegangen, was mir von der Hero 11 nicht geboten wurde, also ging ich da auf 50 fps. Fehler. Nach einer halben Stunde ging die GoPro wegen Überhitzung in den Winterschlaf. Ich würde es nicht wagen, eine Videokamera zu bauen, die sich wegen Überhitzung plötzlich abschaltet. Sicher: Sie ist überall dort zu gebrauchen, wo eine größere Kamera keinen Platz findet. 2012 hatte ich problemlos ein ganzes Konzert mit drei GoPros (und ein paar weiteren Kameras) gefilmt, keine einzige blieb stehen. Das würde ich von den heutigen GoPros auch erwarten. Wiederbelebung durch Neustart doch eingeschränkt erfolgreich.
Ich war auf UHD unterwegs, also 3840 x 2160 Pixel, mit beiden Kameras. Den Schnitt machte ich im DaVinci Resolve auf FHD, 1920 x 1080 Pixel. Ich wollte etwas mehr Spielraum in der Bildgestaltung haben, so konnte ich das Bild im FHD etwas vergrößern und einen Ausschnitt finden, der mir gefiel. Die Sony filmte mit XAVC QFHD und die GoPro mit HEVC Codec, die unterschiedlichen Formate brachte ich vor dem Schnitt mit dem Apple Compressor beide auf ein einheitliches Apple ProRes 422 HQ. Mit den Framerates ging ich einheitlich auf 25. Eventuell war diese Vorgangsweise nicht so ideal, was ein wenig Gestotter ergab. Oder aber ich muß mich näher mit dem Verschlußwinkel auseinandersetzen, der den Einfluß auf Motion Blur hat.
Stimmungslicht in allen Farben und Formen. Ich weiß, im Rahmen einer Veranstaltung wird als Erstes immer der Mischer geschlagen und danach der Beleuchter. Ich will auf keine Art und Weise die Leistung jener schmälern, die sich so viel Mühe machen, dem Publikum ein schönes Konzerterlebnis zu bescheren. Die Sony kam mit den vielen Farben halbwegs zurecht, die Hero 11 kam ins Schlabbern. Es zeigt sich immer wieder, Blau ist ein Widersacher für Videokameras, die in der unteren Preisregion liegen. Die Hero 11 ist da keine Ausnahme. Im intensiven Dunkelblau fängt sie furchtbar zu schmieren an. So ein Schmieren sieht man oft im Dunkel der Berichterstattung während Fernzuschaltungen.
Meine Auffassung ist: Jazz (wenn es sich nicht gerade um psychedelisches Fusion handelt) braucht gutes
gepflegtes nicht-gefärbtes Licht. Ideal: eine Kiste voller Analogscheinwerfer. Dann hat man das Licht, das man in der goldenen Ära des Jazz auf der Bühne antraf. Das hatte ich in diesem Fall nicht, also ging ich in der Nachbearbeitung auf Schwarz-Weiß. Auch nicht so einfach: Die relativ neutral beleuchtete Bühne gab ein anderes Schwarz-Weiß als die rot eingefärbte; die grüne Bühne wieder ein anderes etc. Zwischendurch hatte ich einen grünen Hintergrund mit hochroten Köpfen. Also wischen wir's vom Tisch, Black und White mußte her. Und es schaute traurig aus, auf die Dauer richtig deprimierend. Also griff ich zur einzigen Lösung, die mir in den Sinn kam: Chamois. Das war die Lösung.
Noch einmal: I love DaVinci Resolve. Schritt eins: Den ganzen Schnitt in Farbe machen, dabei nur auf die Helligkeiten achten, praktisch die Farbgebung so handhaben, indem man vorausdenkt, wie das ganze nachher im Chamois-Modus aussehen wird. Dann den fertigen Schnitt als Ganzes ins Chamois übertragen. Dazu kamen zwei Nodes auf der Color-Page zum Einsatz (Node-Fenster öffnen, oben rechts). Der erste Node diente dazu, Schwarz-Weiß zu erstellen. Diesem Node wird ein zweiter angeschlossen, der die Tönung definiert. Ist die Tönung zufriedenstellend, kann man auf der Darstellung des bearbeiteten Videobilds mit der rechten Maustaste einen Shot erstellen, dieser Zeigt sich im Fenster links. Diese Bearbeitung über die zwei Nodes kann dann als Preset abgelegt werden. Das ergibt eine «.dpx»-Datei. Automatisch wird ein «.drx» erzeugt. Beide aufheben! Die können nur miteinander existieren, wenn man auch nur das «.dpx» importiert, muß das «.drx» auch mit dabei sein. So gebrauchte ich die gleiche Tönung für jedes einzelne Konzertstück. Dann sah alles graphisch aus, photographiert. Solarisiert. Ich Man Ray.
So beim Betrachten der Videobilder: Mein Dank geht an den Beleuchter, der mir so viele expressive Schatten und Schattierungen beschert hat. Es kommt mir vor, als hätte ich jedes Bild einzeln durch Entwickler und Fixierer gezogen.
Der Ton kam ganz bescheiden von der Sony, von den eingebauten Mikrophonen. Erstaunlich, was die FS5 so alles kann. Einzig und allein der zweite Teil von «Flowers Bending» war zu heftig, da kamen sich in der Sony die Lautstärke und die Vielfalt der Frequenzen in den Weg. Ansonsten brauchte es ja doch einiges an Nachbearbeitung. Dazu liefert die DaVinci Resolve Fairlight Page hervorragende Digitalwerkzeuge. Und ein kurzer Export in Logic und WaveLab hatte auch nicht geschadet. Für eine solche Bearbeitung empfehle ich die Abhöre über Yamaha HS8 Aktivboxen. Für Fernsehton kenne ich nichts besseres. Klar, brilliant und wunderbar präsente Bässe. Und für Videoton noch dazu ein gutes Gehör. Ich hoffe, daß ich hier der Musik annähernd gerecht geworden bin.
Nodes im DaVinci Resolve, diese werden oben rechts ein- und ausgeschaltet. Ein Node macht ein Schwarzweißbild, Saturation ist auf null gestellt. Das zweite Node kommt nach dem ersten, erzeugt das Chamois, der Signalfluß geht dann in den Output. Die Einstellug mit allem drum und dran kann abgespeichert werden.