Production
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Der Mittel Recht: Die Hohe Bank

50er Jahre Signalverstärker.

Klingendes Spielzeug.

Orange oder Synthesizer?

Indische Affentrommel aus Varanasi.

Broadcastmixer aus Wien.

Einfacher Oszillator.
«Instrumente in kalter Luft klingen merklich tiefer.»
Akustik in Stichworten – Edwin Peter.
 
Kaum habe ich einen Vorgang gestartet, bieten sich mir die vielen Verzweigungen an, die aus dem resultieren, was mir an Hardware und Software zur Verfügung steht. Inzwischen ist es so, daß dabei die Möglichkeiten und Verzweigungen keinerlei Ufer zeigen. Es ist mir völlig unverständlich, daß Softwareanbieter Plugins mit Tausenden von vorfabrizierten "Sounds" anbieten, und das mit stolzgeschwellter Brust. Völlig unnütz sage ich da, was soll ein Musikant mit Tausenden von Sounds? Wenn doch ein einziger Klang so vielfältig sein kann, daß sich so Mancher ein Leben lang diesem "Sound" widmet. Einem Cello. Einer Kanjira oder Tabla. Der Stimme. Einem Minimoog (den ich nie besaß). Oder aber wir haben eine kleine Kollektion an Perkussion: Wieviele Jahrzehnte kann man damit verbringen, diese Klangfarben zu erkunden und deren Verflechtungen zu erlernen? Dazu kommt noch, wo die Conga im Raum steht und wie warm oder kalt es in diesem Raum ist. Immer klingt sie anders (am besten nach Mitternacht). Entwaffnend, nicht wahr? Die kreative Hand erschafft aus allem ein Werkzeug für die Kunst. Dabei greife ich in einen Fächer aus farbigen Möglichkeiten.

Die Leiter nach Heaven

Die Hohe Bank ist so etwas wie die Hohe Kammer. Sie ist in ihrem Wesen unerbittlich. Eine einzelne Schelle klingt nach einziger Schelle. Fächert man diese Töhe (wie auch immer), so erhalten wir mannigfaltige Schellen. Die Schellenklänge liegen auf der Hohen Bank, wo auch all die anderen Töne liegen. Um sie aber zu nutzen, brauchen wie eine hohe Aluminium­leiter. Die habe ich nicht mehr. Also muß ich fischen gehen.
  Ich habe mir zum Ziel gesetzt, das Rad neu zu erfinden. Wie eine Grille stehe ich im Gras und zirpe. Was noch kein neu erfundenes Rad ergibt. Dieses Streben nach Erfüllung hat eine Mathematik als Grundlage, Gleichungen und dergleichen. Ich löse sie nicht wirklich, ich staple sie auf, um auf die Hohe Bank zu kommen. Schon nach den ersten Stufen, die dabei erklommen werden, wird mir fast schwindelig. Da hat es so viele verschiedene Klangfarben, die um mich herumschwirren. Ich spreche erst mal noch gar nicht von den Tönen. Die Klangfarben liegen hier in- und übereinander. Die muß ich ordnen, damit sie Sinn machen, ich bin nicht ein so ein gewaltiger Maler wie die Natur, die Feinstes und Brachialgewalt zu verbinden weiß und dabei unsere Meinungen und Ansichten völlig übergeht – was beweist, wie unwichtig wir sind. Also greife ich zu den Mitteln, die ich habe, die Lautstärken zu balancieren und die Frequenzen ins Lot zu bringen. Und ho! Ich empfinde Erschrecken. Ich bin auf gutem Wege. Das Erschrecken ist meine Anzeige, mit dieser zeigt sich, daß ich meinen Ansprüchen gerecht werde.
Das Beste aus den Achzigerjahren und Farben aus Japan

This Mortal Coil: Blood.
 
Selten aber doch fällt der Menschheit etwas Kluges ein. Dazu zählen die Neuveröffentlichungen vieler klassischer Aufnahmen als Schallplatte oder als HiRes Audio Download. Vor allem: Diese neuen Platten klingen so viel besser als früher, sie sind voller und haben viel mehr Baß. Alle drei Veröffentlichungen der Formation This Mortal Coil sind neu erschienen. Sie haben auch neue Hüllen bekommen. Die Platten sind dicker, der Karton für die Hüllen ist kräftiger, das begleitende Artwork wurde neu konzipiert – luxuriöser – die Aufnahmen sind modern wuchtig abgemischt: Die Platten sind ein Hochgenuß. Das sind Schallplatten die bei mir im Regal einen Logenplatz erhalten und mir als Vorgabe dienen, wie eine Produktion daherkommen muß. https://4ad.com/artists/thismortalcoil
 
Wir haben es hier nicht nur mit exzellenter Musik zu tun, die deshalb entstanden ist, weil sich die besten Musiker aus der noch jungen Gothic-Szene in lockeren Formationen zusammengetan hatte; wir erleben hier noch dazu einen Höhenflug an visueller Gestaltung. Photographien von präraffaelitischer Schönheit und die unverwechselbare Typographie dieser Zeitepoche in den 80er Jahren fügen sich zu einem Gesamten, das uns eine der Musik kongenial entsprechende Plattenhüllengestaltung beschert. Das verläßt bei mir schon den Fünfsternebereich.
 


The Colors of Japan.
Ich will mich hier nicht auf das beschränken, was mit Akustik zu tun hat. Es gibt zwei weitere Gestaltungsbereiche, auf die ich nicht verzichten will: Das Bild und das Wort. Das Bild sagt natürlich oft mehr als tausend Worte, deshalb habe ich immer eine Kamera oder eine Videokamera bei mir. Und in einem Kasten eine große Schachtel voller Mal- und Zeichenutensilien, die ich regelmäßig auspacke und meine Erfahrungen und Träume, mein Innen- und Außenleben auf Papier oder ein anderes Materal banne. Auch das ist eine traditionsreiche Reflexion, die noch aus der Zeit stammt, da wir jung bis klein waren und alle, die ich kannte, nur so sprühten vor Kreativität. Und auf eine geheimnisvolle Weise wurde das auch von der Welt erwidert. Es gab eine gewisse Resonanz, die doch zum Teil im Laufe der Jahrzehnte verlorenging. Dennoch: Die Feder blieb, die Tusche, die Farben, das Papier. Aus der Nikkormat wurde eine digitale Sony, und wunschgemäß sollte das eine Leica werden, aber was das alles kostet ... Aber wenn dann ein Traumgebilde auf einem dicken Blatt erscheint, dann suche ich nach einem dicken Rahmen mit einem dicken Passepartout.
 
Und hier verschwimmen die Grenzen. Betrachtet man ein Buch wie The Colors of Japan von Sadao Hibi, dann blättere ich durch Seiten, die ich schon fast höre. Ein solches Buch ist für mich schon fast hörbar. Auf vielerlei Art verschwimmen die Grenzen. Wir werden darauf hingewiesen, wie sehr Kunst und Kunsthandwerk – in diesem Fall die japanischen Bereiche – eng verknüpft sind. Zwar definieren wir oft die Bereiche der Kunst nach der Wahrnehmung durch die einzelnen Sinne, aber auch hier möchte ich Sehen und Hören nicht getrennt erfahren. Man spricht oft davon, daß man sich in einem Film befinde. So ist es hier: Mit dem erleben – zumindest im Buche der Farben Japans – ist es nur ein Herzschlag, bis man ebenso die Töne Japans erleben will. Oder aber man stimmt das eigene Tun auf das Gesehene ab: Ich jedenfalls möchte mein Tun so vergolden, wie die Farben hier auf den Seiten über Musashi herkommen (oberes Bild).
 
 
 
Sadao Hibi – The Colors of Japan
Kodansha International – Tokyo • New York • London
ISBN 4-7700-2536-X
 

 

 
 

 

 
Tolex in der Werkstatt / Studio in Umbau / Das Innnenleben des Audient 8024
 
Regale under Construction / Der Fredenstein F676, inside.
Kleister und Schrauben
 
So ein Studio kann eine Baustelle ohne Bauplan sein. Da man nie genau weiß, was als nächstes passieren oder auftauchen kann, hat man nur die reine Intuition als letzte Instanz und davor den klaren Menschenverstand als Hilfsmittel, wenn er nicht gerade einen trüben Moment oder zuwenig Anhaltspunkte hat. Ich konzentriere mich auf die ungetrübte Version, was äußerst nützlich ist. Eine sehr gute Vorgangsweise ist die, von der Fähigkeit in die Zukunft sehen zu können, gebrauch zu machen. Ein Element in einer Konfiguration ist manchmal nur ein Einzelstück, das ziemlich unbrauchbar sein kann, bis es – vielleicht erst nach Jahren – seine ergänzenden Teile erhält, eine Modifikation oder eine Reparatur. Also ist man darauf angewiesen, seine Sammlung so aufzubauen, daß man zwar von außen her als Messie, Krämerseele oder Nimmersatt definiert wird, auf die Länge aber etwas über Jahrzehnte aufbaut, das zu einem erstaunlichen System aufblüht. Hier gibt es kein «modern». Hier herrscht das Faustrecht des Brauchbaren, vor allem des Brillianten. Und brauchbar und erst recht brilliant ist, was spannend klingt, ob es aus einem Tonbandecho kommt oder aus dem neuesten aller neuen Plugins. Wobei in vielen Fällen das Hardware-Echo dem Plugin weit überlegen ist.
 
Immer wieder kommt es vor, daß jemand das Studio betritt und dann bemerkt: «Oh, und ich dachte, so eine Aufnahme besteht aus Spielen und Aufnehmen und das war's.» Oh nein. Es ist ein langer Weg dorthin. Oder sagen wir: Es kann ein langer Weg dorthin sein. Generell ist man auf der Suche nach einem bestimmten Klangbild, ob Musiker oder Techniker, und dieses Klangbild soll mit den bestmögichen Mitteln realisiert werden. Und dann tut man, was man kann, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Oft ist man aber auf sich allein gestellt und versucht sich einen Reim zu machen aus all den komplizierten Mechanismen.
 

 
Teuer aber gut, gut entdeckt und günstig erstanden: Wenig bekannt ist die Firma Fredenstein, hinter dieser Bezeichnung steckt ein gewisser Fred „Fredenstein“ Schuckert, den es nach Taiwan gezogen hat, der dort seine Produkte herstellen läßt. Hochwertige Studiotechnik, die dann in Deutschland vertrieben wird. Hier haben wir den Mikrophonvorverstärker Fredenstein F676, hochwertigste Elektronik nach Vorbild des V76. Ein voll analoges Innenleben; da die Röhren kaum mehr zu haben sind, werden diese in Polen nachgebaut. Das Besondere ist die Steuerung per kleinem Display, die ist dann digital und ermöglicht uns sogar Presets. Vom Neupreis von USD 1800 bezahlte ich gebraucht im Reverb nur mehr USD 800. (Dafür verbringe ich mein halbes Leben vor dem Bildschirm.) Und heikel, heikel ist die Maschine, die verlangt nach jemand, der weiß, was und wo und wie.
 
Tolex zu entdecken war wie ein Geistesblitz. Statt wie vorher die Regale und Racks anzustreichen, mit Tolex zu überziehen, macht richtig Eindruck. Alles sieht edler aus. Und das Aussehen, der Mood und die Ambiente eines Studios trägt vieles zu einer guten Aufnahme bei. Manchmal schaut natürich alles wild durcheinandergewirbelt aus, manchmal ist alles halb zerlegt, so auch beim Zusammebau des ASP 8024 Pults. Und vieles verschwindet manchmal auf Jahre im Regal, bis es neu entdeckt, neu verknüpft und dann erst, im System mit Elektizität versehen wird.
 
Ich kann's nicht anders beschreiben: Ich lebe an einem Industriestandort.