Cultureline
Hintergrund für "Love in Vain" Cartoon.
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Kyu
Ninja / Zen / Action Meditation Movie
Genre
Der Wiener/Badner Underground lebt
Dressup
Die schöne Kunst der Verkleidung
Der Glaspalast – Zweite Fassung

Gebeugt und oft dazu noch gebeutelt liegt der Handwerker am Fuße seines Thuns. Gebeugt auch dehalb, weil das Ergebnis dürftig ist. Die Wolke, die aus dem Pinsel kommt, dieser fehlt das Spannende. Die Wolke ist aus Pigmentbruchstücken, gewässert und geölt, in Zusammenhang gebracht durch die Trocknung. Ein anderes Blatt muß her, die Fortsetzung ist nicht gewährleistet.
  Die Schatten, die aus dem Pinsel gekommen sind, sind sie zu dicht? Oder vielleicht zu dünn, was man glücklicherweise korrigieren könnte.
  Ist das aufgezeichnete Bild voller Bildrauschen? Was habe ich falsch gemacht?
  Wie im Leben, jeden Tag so. Ich bin zu dunkel, ich bin zu hell. Die Spannung ist verloren gegangen. Vielleicht hilft mir ein erbauendes Buch weiter.

Tusche.

The Grim Reader.
Die Zeichnung

Bringing the Tea.
Mir werden die Zweihundert Jahre fehlen, daß ich endlich malen lernen kann. Wobei Malen was Schönes ist und ich sehr gerne male. Aber so zu malen, wie ich es gerne ausführen würde, dazu müß­te ich vermutlich die alten Meister studieren und dann grundieren, skizzieren, mit Eitempera anfangen, Zwischenfirnis darüberlegen und dann lasierend in Öl weitermachen. Tag und Nacht und dann Wagner aus den Öltuben drücken. Also bleibt es beim Althergebrachten. Wenn es die Zeit erlaubt, dann entsteht eine Zeich­nung. Und wenn natürlich die Muse zu Besuch ist, inzwischen ist das Selten­heit geworden. Es ist klar, die Töne brauchen viel Zeit.
  Aber immer wieder – es sei den Institutionen wie der Albertina gedankt – erhalte ich Gelegenheit, die Werke meines Abgotts Alfred Kubin zu bewun­dern. Und auch andere Werke zu be­trachten, sofern ich noch aufnahmefähig bin, denn das sorgfältige Studieren der graphischen Kunst ist etwas, was mich sehr in Anspruch nimmt.  
Dennoch habe ich auf den großen Tisch immer Tusche, Feder und Pinsel parat, und auch einen Block irgendwo in der Nähe. So entstand auch 2014 die Zeichnung "The Guest", ein Selbstbildnis vor meinem Tisch mit all den Artifakten, die es zum Leben braucht. Alles ist sehr wirklich und unwirklich zugleich, denn es ist auch die Illustration zu einem Song, an dem ich arbeite, über einen Fliegenden Holländer, und so sind wir hier in der Kapitänskajüte auf dem Schiff während des Flugs über die Wolken.
 
  Die Linie. Das Hell-Dunkel des Lichts. Die Möglichkeiten, mit Linien und mit etwas Wasser, um die Tusche, das Umbra, zu ver­dünnen, um dann Tiefenwirkungen zu erzielen, ist genial und für mich Photographie in Slow Motion, allerdings mit dem riesen­großen Vorteil, daß man damit seine Träume photo­graphieren kann.
  Die Träume sind wichtig und unsere Beziehung zu ihnen. Glaubt man den alt­budd­histischen Schriften, so ist die Traum­ebene der nächste Schritt der allgemeinen Existenz. Da geht es nicht mehr um Stein und Schwerkraft. Da geht es um die Schöpfung aus dem Geist. Und genau das tun wir Zeichner und Maler. Zwar orientieren wir uns an der "handfesten" Wirklichkeit, tauchen diese aber vorher in die Traumwelten ein, bevor wir sie im Zeitlupentempo zu Papier bringen. Aber dann ist wieder ein Stück Traum zu sehen, für uns und für jeden, der auch zuschauen möchte. Ist das nicht faszinierend, so ein Fernseher ins Surreale?

 
 
Die Schwarze Handwerkskunst, wie schön sie ist!

Spazieren im Badner Wald in einem
Mantel aus Mali.
 

Wie cool man aussieht in einem
Mantel aus Mali.
 

Ursprung des coolen Africa:
Die ehemalige Gallery Lampfall
in Amsterdam.

Gallery Lampfall – interieur.
 
 

The big bold shopkeeper.

Wände voller Africa.

Wohnen voller Africa.
Auf Händen möchte ich meine Würde tragen, ohne jede Form von Entschuldigung vor selbstgewählten Instanzen. Irgendwer muß ja die Kunst, seine Kleidung zu gestalten, erfunden haben, wenn auch nur an den Gewändern der außerirdischen Besucher abgeschaut. Die strahlenden Gewänder der Götter mögen doch auch uns vortrefflich passen, wenn wir schon ihr Ebenbild sind. Verzieren wir doch mit handwerklichem Geschick unsere Kleidung in allen Farben, die uns genehm sind – sofern diese harmonischer Wirkung sind; außer wir sind Punks und davon besessen, jede Regel zu brechen, so es mag und damit regellos, was ein gutes Recht ist, solange niemand zu beschadet wird.
 
Vom Sternenhimmel fiel mein weißer Mantel aus Mali. Aus einem Mali, das vermutlich noch nicht so von steinzeitlichen Fanatikern bedrängt wurde wie heute. Zwar könnte man mir ein wenig Höhe dazugeben und auch Breite, aber sei es dem Oversize gestattet, mich wie in eine Decke zu umhüllen, auf dem Weg in die Wälder, über den kalt knirschenden Winterboden.
  Ich weiß nicht wieviele Jahre es diesen Laden gab, ich kam ja weiß Gott nicht so viel nach Amsterdam, aber wenn ich dort war, dann mußte ich jedesmal meine Nase an dieses Schaufenster pressen, an ein Schaufenster, das mich dazu einlud, alles mit nach Hause zu nehmen, was es dort gab. Von der größten Schnitzerei bis zur kleinsten Smartie-Halskette: Ich konnte mich nicht sattsehen an den Schmuckstücken in diesem sonderbaren Laden, der mir wie ein Stargate in das perfekte, himm­lische Afrika erschien. Also spazierte ich jedes­mal an die Damstraat 5a bis – unendliche Enttäuschung, das Schaufenster nicht mehr da war. Da stand ich vor einem Loch im Univer­sum.
  Immer wieder hatte mich der Laden angezogen und im Hinterzimmer sah ich den Verkäufer, der oft dortsaß, wenn er sich nicht um die Kundschaft kümmerte, und Mosokoto rauchte.
  So stand ich einmal vor diesem Geschäft und musterte das, was sie vor den Laden aufgestellt hatten. Nach wenigen Augenblicken ging ich hinein, und kaum hatte ich ein paar Schritte gemacht kam mir eine schwarze Frau entgegen und sagte "I have something for you.", drehte sich um, verschwand nach hinten und kam nach einem kurzen Augenblick mit einem weißen Bündel wieder hervor. Sie entrollte es und gab mir zu verstehen, daß ich es probieren sollte. Von diesem Augenblick an waren der weiße Mantel und ich unzertrennbar.
  Da vergesse ich jedes Etikett, dem man heute nachlauft, die sind nur Belege für Manager. Die Gallery Lampfall war eine Ebene, die so viele Räder hatte, daß man keine zusätzlichen mehr erfinden muß. Wir armen Weißgesichter, wir können dem Lebens­schmuck der dunklen Nationen nicht das Wasser reichen, nur ihre Handwerkskunst bestaunen und zaghaft erwerben, denn mehr steht uns nicht zu, uns Armleuchtern. Und unter einer ganz großen Decke aus der Gallery Lampfall schlafe ich heute noch.