|
|
wavingtree gardens |
site index |
|
Cultureline |
|
Mir werden die Zweihundert Jahre fehlen, daß ich endlich malen lernen kann. Wobei Malen was Schönes ist und ich sehr gerne male. Aber so zu malen, wie ich es gerne ausführen würde, dazu müßte ich vermutlich die alten Meister studieren und dann grundieren, skizzieren, mit Eitempera anfangen, Zwischenfirnis darüberlegen und dann lasierend in Öl weitermachen. Tag und Nacht und dann Wagner aus den Öltuben drücken. Also bleibt es beim Althergebrachten. Wenn es die Zeit erlaubt, dann entsteht eine Zeichnung. Und wenn natürlich die Muse zu Besuch ist, inzwischen ist das Seltenheit geworden. Es ist klar, die Töne brauchen viel Zeit. Aber immer wieder – es sei den Institutionen wie der Albertina gedankt – erhalte ich Gelegenheit, die Werke meines Abgotts Alfred Kubin zu bewundern. Und auch andere Werke zu betrachten, sofern ich noch aufnahmefähig bin, denn das sorgfältige Studieren der graphischen Kunst ist etwas, was mich sehr in Anspruch nimmt. |
Dennoch habe ich auf den großen Tisch immer Tusche, Feder und Pinsel parat, und auch einen Block irgendwo in der Nähe. So entstand auch 2014 die Zeichnung "The Guest", ein Selbstbildnis vor meinem Tisch mit all den Artifakten, die es zum Leben braucht. Alles ist sehr wirklich und unwirklich zugleich, denn es ist auch die Illustration zu einem Song, an dem ich arbeite, über einen Fliegenden Holländer, und so sind wir hier in der Kapitänskajüte auf dem Schiff während des Flugs über die Wolken. Die Linie. Das Hell-Dunkel des Lichts. Die Möglichkeiten, mit Linien und mit etwas Wasser, um die Tusche, das Umbra, zu verdünnen, um dann Tiefenwirkungen zu erzielen, ist genial und für mich Photographie in Slow Motion, allerdings mit dem riesengroßen Vorteil, daß man damit seine Träume photographieren kann. Die Träume sind wichtig und unsere Beziehung zu ihnen. Glaubt man den altbuddhistischen Schriften, so ist die Traumebene der nächste Schritt der allgemeinen Existenz. Da geht es nicht mehr um Stein und Schwerkraft. Da geht es um die Schöpfung aus dem Geist. Und genau das tun wir Zeichner und Maler. Zwar orientieren wir uns an der "handfesten" Wirklichkeit, tauchen diese aber vorher in die Traumwelten ein, bevor wir sie im Zeitlupentempo zu Papier bringen. Aber dann ist wieder ein Stück Traum zu sehen, für uns und für jeden, der auch zuschauen möchte. Ist das nicht faszinierend, so ein Fernseher ins Surreale? |
