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Features: Eine endlose Baustelle. Image: Gutenbrunnerstraße, Baden.
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Marcel Lüscher Trio
Serafyn in Wien
Der neue Kolumbus
Das Auge, seine Optik und die Reisen des inneren Auges
Für Feature gibt es keine rechte Übersetzung. Das Wort bezeichnet ein besonderes Merkmal. Etwas das hervorragt. Auch hier geht es meist um verschüttete Erinnerungen. Es könnte in Vergessenheit geraten, daß man an einem Abfallhaufen in Indien vorbeiging. Man hat vergessen und verdrängt, daß es gestunken hat. Und über all den Gerüchen lag noch der Duft von Räucherwerk. Umgeben von einem Malström an Geräuschen sucht man das, was man an den rechten Ort zu stellen sucht. An einen bekannten Ort, das gibt Sicherheit. So unterwegs, möglichst auf zwei Beinen, stellt man sich ins Abseits und sucht das Unbekannte. Oder die Schmankerln. Diese Kombination macht es aus. Unbekanntes und Schmankerln. Und die Kombinationen unbekannter Schmankerln.
 
Es fehlt ja was im Leben. Das Bekannte muß mit dem Unbekannten ergänzt werden und erfährt so seine Vollständigkeit. Es ist wie der Blick auf ein Gemälde, an dem man arbeitet. Das Bild ist im Geist vollständig und muß «nur mehr» fertig gemalt werden. Und ein Teil und ein nächster reiht sich ein.
 
Die Features sind immer reisen. Auch auf dem bequemen Stuhle zuhause. Ein Buch. Musik. Gedanken. Mehr als Gedanken.
 
  
Das Auge, seine Optik und die Reisen des inneren Auges.
 
Ich habe das große Glück erfahren, in eine Zeit an einem Ort geboren worden zu sein, wo ich erfahren konnte, daß unser Leben an einem ständigen Schnittpunkt liegt, an dem Schnittpunkt der Unendlichen. Es ist wie eine Weggabelung und ich kam zur rechten Zeit und an den rechten Ort an, um die Hände voller Möglichkeiten zu haben. Und gleichzeitig war nichts da. Keine Orientierung, keine Bestätigung, keine Bedienungsanleitung und kein Plan. Niemand, der Antworten hatte. Nur überall Hinweise, versteckt. Und jede Menge falsche Hinweise. Aber alles war da, nur brauchte es oft Jahrzehnte, bis ich überhaupt begreifen konnte, daß da ein Hinweis war. So erstand ich einmal – auf Pilgerreise mit den Hare Krishnas – in Nepal eine große Thanka mit vier meditierenden Buddhas, dabei borgte ich mir von der Reiseleiterin Zwei- bis Dreihundert Dollar aus, weil mir das Geld ausgegangen war. Und heute, 17 Jahre später und nach über 40 Jahren nach der Hippiezeit, als das Buch damals aktuell war, lese ich das «Bardo Thödol», das sogenannte Tibetanische Totenbuch und werde mir der Bedeutung dieser Malereien bewußt. Und doch: Auch heute muß ich mir jeden Schritt vorzeichnen und sorgsam darauf achten, jedes Wort, das an mich gerichtet wird, zu überprüfen. So streng sind die Regeln.
 
 
Schnee, Industrie und Poesie

Wien, vom Schnee überfallen.
Es war ein eisiger, eisiger, eisig kalter November, den ich erwischt hatte, als ich mich dazu entschloß, das Gasometer aufzusuchen, um Babymetal zu erleben.
 
Die Gegend ist immer für eine Überraschung gut. Es war zunächst unmalerisch kalt, plötzlich fielen die Schneeflocken in Säcken und ich suchte schnell einen wärmenden Unterschlupf. Allmählich war es, als stünde ich vor einer weißen Wand, und ich kämpfte mich durch den Schneesturm und hatte die Erzäh­lungen von Pushkin im Hinterkopf. Es war nicht mehr weit, schon war das Wirtshaus zum Siebenstern in allernächster Nähe. Husch hinein! Und nach mir ganze Touristenhorden, die Wärme und gutes Bier suchten. Was ist doch Winter ohne Schnee?

Sibensternbiermaschine.
Es ist unendlich, was man so begegnet, welche Architektur man sieht oder übersieht und was für Industrieartifakte das Styling eines Wirtshauses übernehmen. Wenn man das Handwerkszeug eines Bierbrauers zur Industrie zählt. Und gut eingebettet im warmen Restau­rant kann man sich wieder der Muße zuwenden. Habe ich mir ein Buch zugelegt? Ein Winterbuch? Nein? Genügt es einfach, nachzusinnen über den gefallenen Schnee und über die Geister, die er mitbringt? Das ist dann eine gute Gelegenheit, am eigenen Sagenbuch weiter zu schreiben. Es spielt ja keine Rolle, ob es einmal gelesen wird, ich schreibe ja kein Buch über Nabel­punkte, über die man disku­tieren könnte. Ich schreibe über die Entdeckungsreisen, die ich unbeholfen beschreibe, so zum Beispiel darüber, daß man im Traum einschläft während man auf das Tram wartet, inzwischen ist es Winter geworden und man erwacht im Schnee, aber das Tram kommt hier nicht vorbei, es ist ja umgeleitet wegen der Fasnacht. Inside and outside.
 


Varanasi ist eine Stadt für sich. Mitten in ihr wächst ein Bodhibaum, ein Baum, der umgekehrt wächst: Seine Wurzeln sind über der Erde. Und diese Wurzeln strecken sich quer durch die Gassen. Ich werde zu einem späteren Zeitpunkt auf Varanasi näher eingehen, denn auch hier hat es viel Bild und Videomaterial.
Upcoming and Other Floats
 
Die Welt ist voller Eigenheiten. Es kann ein Nebel sein. Es kann eine Weihnachtsdekoration sein. Oder der Streß auf der Hauptstraße von Savannah La Mar auf Jamaica. Oder wenn Franks Küche belagert wird. Oder Anderes.
 
Hinter mir steht ein Regal. Das ist voller Schachteln und diese sind gefüllt mit Fotos, mit Videokassetten in Hi8-, DV- und Betacam SP Format, CD ROMs, DVDs, Zeichnungen, Zeitungsartikel, Visitenkarten, Prospekte, Notizen. Jedesmal wenn ich eine solche Schachtel aufmache, dann entstehen Bilder in meinem geistigen Auge. Und ich weiß nicht so recht, was ich damit anfangen soll. Es ist eine Lebensaufgabe, so erzählen zu lernen wie Ludwig Tieck, der so sehr von E.T.A. Hoffmann bewundert wurde. Ich hatte gesten begonnen Tieck's "Der blonde Eckbert" zu lesen und es reißt mich dermaßen mit, daß vor Spannung am Rande meines Lesesessels hänge. Ich habe keine Zeit dafür, mit dem Telephon herumzulaufen und Pokemons zu suchen. Ich frage mich überhaupt, wofür die Menschheit Zeit hat außer für das, was ebenso erbärmlich ist wie ihre Ernährung.
 
Ich müßte alles mit dem Mikroskop durchgehen, die einzelnen Bilder zusammentun, die einzelnen Bildsequenzen zusammenreihen, die Gedanken zu einem neuen Genre zusammenfassen. Kein Kritiker könnte mir was sagen. Aber besonders müßte ich eine Zeitmaschine besteigen und Korrekturen anbringen, so denke ich. Die Landkarten, die diese Artifakten bilden, sind voller weißer Flecken und ungeschriebener Dramen.
 
Alles im Leben ist fehlerhaft, vernebelt. Gewisse Nebel kann man lichten, aber wie viele noch bleiben! Aber so manch gelichteter Nebel zeigt ein Geschehen, das man gar nicht verträgt. Und dazu ist so vieles verboten. Jaja, Moral ist eine Sache. Aber Doppelmoral ist etwas Anderes. Und damit schüttelt man so mühsam die Betäubung ab, weil man vor Moral und Doppelmoral gebunden ist.
 
In erster Linie sind es aber alles Orte, die wieder besucht werden sollten, denn von all ihren Beschreibungen ist nicht einmal das Vorwort geschrieben.