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Bewußtseinserweiterung für Jung und Alt

Das LSD Symposium Basel, 13. bis 15. Januar 2006

Kapitel 3
Worte aus hundertjähriger Erfahrung

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Der weise hundertjährige Albert Hofmann auf der Bühne.
Verehrt und umjubelt, und doch nur ein bescheidener Pensionist. Das nenne ich lebendig.

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Back to Holistics
Das Leben ist lebendig. Ich weiß nicht wie ich auf einen so eigentümlichen, unmöglich erscheinenden Satz komme. Er scheint aber etwas auszudrücken, das im direkten Zusammenhang steht mit dieser Veranstaltung. Im Grunde genommen könnte man ein ganzes Buch darüber schreiben. Oder: Ein befreiter Mensch lebt lebendig.
Nun scheint es verschiedene Möglichkeiten zu geben, diese Befreiung zu vollziehen. Und keine funktioniert. In unserem Leben bleibt es immer beim Versuch, sich aus den Verstrickungen zu lösen, die uns vom "Lebendig" trennen. Sobald wir das "Lebendig" verspüren, versuchen wir daraus eine Regel zu machen, weil wir ein Rezept suchen, dieses so lang ersehnte und und so lang vermißte und entbehrte "Lebendig" endlich fassen zu können, es oft "geglaubt" haben und nicht wirklich taten, weil wir so sehr von Rezepten, Regeln, Ge- und Verboten geprägt sind. Und da steht ein weiser alter Mann vor uns auf der Bühne, etwas wacklig mit seinen hundert Jahren, aber strahlend wie ein Jüngling und sucht nach Worten, um uns das zu vermitteln, was er an innerer Freiheit erfahren hat. Wie viele von den Anwesenden suchen nun – schon aus purer schlechter Angewohnheit (und das klingt jetzt hier wie aus einem Büchlein für Benimmtipps, was ja auch seine Daseinsberechtigung hat, denn aus dem guten Ton entsteht eine liebenswürdige Gemeinschaft) – wieder eine Regel zu formen. Und es gibt sie nicht. Es gibt nur die Ahnung dessen, was wir so verzweifelt suchen: unser abhanden gekommenes Glück, unseren Seelenfrieden, unsere persönliche Ekstase, von der wir von anderen gehört haben, daß es sie es erlebt haben, und wir hätten sie auch gern in unserer Schnupftabakdose jederzeit zur Verfügung, und wenn wir sie mit einer Prise Droge erhaschen können.
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Jeder schien sich mit mehr oder weniger klaren Kopf sein Plätzchen am Symposium zu suchen. Wer fand, war glücklch und zufrieden. Eigentlich gab es eine Menge zu finden.
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With a little helf from his friends. Albert Hoffman wird zum Schlußwort auf die Bühne geholfen. Der Körper mag wohl mit der Zeit etwas nachlassen, aber der Geist sollte das nicht: was Albert zu beweisen wußte.
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Oh nein, dazu müssen wir uns erst befreien und damit liebevoll werden. Tief eintauchen in die Bedeutung aller unserer mißbrauchten Worte: Liebe, Vertrauen, Freundschaft, Gemeinschaft. Alles Begriffe, die uns mit dazugehörigen Handschellen offeriert worden sind.
Wie man sich befreit, damit hat man schon etliche Rollen Papier bedruckt, wobei es meine persönliche Ansicht ist, daß ein Osho da schon recht nah herangekommen ist, und ich verzeih ihm sehr gern, daß auch er ins Dickicht geraten ist.
Aber: Man hat es gewußt. Man hat es erahnt. So wie ich es selbst immer wieder habe, dieses nicht abzuweisende Gefühl der Ahnung, daß da noch etwas mehr ist als diese elende Matrix, der man seinen Tribut zollen soll.
Erstaunlich: Immer wieder spricht Albert Hofmann, gefragt nach der eindrücklichsten Erfahrung, die ihm das LSD beschert hatte, von dem Erinnert-Werden an eine Kindheitserfahrung, in der er "mit der Natur eins wurde". Soweit ich seine Schilderungen nachvollziehenn kann, schien er im zarten Kindesalter einmal mit einem Baum, mit den Sträuchern und Gräsern "eins" geworden zu sein (und hier stolpern unsere sprachlichen Möglichkeiten). Ein Erleben, das er mit den Erwachsenen nicht teilen konnte, das ihm von den "Großen" bestenfalls Unverständnis entgegenbrachte und er so dieses Unverstehen als eine bewußte Geheimhaltung interpretierte, als etwas, das die Erwachsenen für sich behalten wollten, unter sich. Dem war aber nicht so, vielmehr kannten sie dieses Erleben nicht. Erst unter LSD schien die Brücke wieder geschlagen zu sein in dieses tiefe Erleben der Natur, das ihm in jungen Jahren widerfahren war.
Sich erinnern. Die Spur seiner Ahnung verfolgen.


Guru Gurus Mani Meier am Schlagzeug, umgeben von der sensationellen Lichtshow der LightRiders.
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Auch Chrisian Rätsch wußte von dem zu berichten. Es hat den Anschein, daß eine tiefgehende Eigenheit der Wirkungsweise psychoaktiver Substanzen auf den Menschen das Erwecken einer Erinnerung ist. Fassen wir die Botschaften zusammen, die uns durch die Wirkungsweise der Psychedelika aus der Tiefe unseres Seelenlebens zu uns dringen, dann können wir sicher bei längerer aufmerksamer Beobachtung feststellen, daß wir immer wieder mit einer traumhaft erscheinenden verschütteten Welt konfrontiert werden, oft zwar nur bruchstückhaft, "flashartig", vielleicht sogar zaghaft bis bewußt nur unmerklich. Aber doch scheint sich da immer wieder etwas zu melden, das untrennbar mit dem Leben zu tun hat und wie verhungernd im Verließ unseres Unterbewußtseins (ich hatte während des Symposiums eher den Begriff Oberbewußtsein gehört) vor sich hin darbt und über den knappen Tunnel, den uns das eingenommene Mittel gräbt, nach Luft und Leben bittet: nach Freiheit. Es ist eine traurige Tatsache, der sich niemand mehr entziehen kann: Wir leben in einer Gesellschaft, die auf Unterdrückung des Wachbewußtseins ausgerichtet ist und sich auf diese Unterdrückung stützt. Damit werden wir, da wir dadurch umso widernatürlicher leben, auf unmerkliche Weise in eine geistig-seelische "Steinzeit" wiederversetzt. Wobei ich nicht feststellen kann, ob die sogenannte Steinzeit wirklich so primitiv war wie sie uns in den manipulierten Geschichtsbüchern geschildert wird. Schließlich steht Japan in seinen eigenen Geschichtsbüchers in Sachen Kriegsverbrechen auch mit reiner Weste da.
So wie dieser Ruf nach Selbstverwirklichung – wieder ein Wort, das des Abstaubens harrt –, dieses Verfolgen der Rufe aus den inneren Verließen einen Chrisian Rätsch in die bescheidenen Behausungen der Schamanen geführt hat, so schienen auch seine Gespräche mit den Geistersehern verlaufen zu sein. Nicht nur die Heiler und Hexenmeister der Anden, des Himalaya, der Serengeti und der Wälder Amazoniens verfügen über die Kräuter und über das "Wissen", auch wir, wir hier in Europa haben alles zur Verfügung, um die Dreamtime zu erlangen. Wie Christian Rätsch in seinem Vortrag geschildert hat, fragten ihn die Schamanen: "Ja, habt ihr das nicht auch selber alles?" "Ja." war die Antwort, "Aber es ist schon seit Tausenden von Jahren unterdrückt, totgeschwiegen und verfolgt worden." (Adaptive Antwort)
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Worauf die Schamanen antworteten: "So können wir Euch nichts geben, aber wir können Euch helfen, Euch zu erinnern." Und genau das ist es wieder. Wieder wird die Erinnerung angesprochen: sich dessen zu erinnern, was in uns schlummert, nicht nur an rätselhaften Ereignisse des Unter- oder Oberbewußtseins, sondern auch die Erinnerung an eine verschüttete heftige oder auch zärtliche und vor allem ehrliche Gefühlswelt, die uns als intuitiver Wegweiser in den Welten des Oberbewußtseins dienen kann. Eine Erinnerung an eine mit uns und unseren wahren und so auch sprituellen und transzendenten Bedürfnissen angeglichene Kulturwelt, die heute mehr denn je nur Zigstelmillimeter von dem abdeckt, was wirklch Sache ist. Da bin ich aber dankbar, daß ich noch rechtzeitig kam, zumindest einen Teil des Beitrags von Alex Grey zu sehen, der unglaubliche Beispiele psychedelischer Kunst vorzuzeigen wußte. Ganz besonders blieb mir ein Bild in Erinnerung, daß den menschlichen Geist zeigt, der sich mit dem "göttlichen" Geist verbindet und danach zum einem aktiv erschaffenden Wesen wird. Schon hier geraten wir an die Grenzen der Sprache.
Und so sehe ich dieses Symposium als einen Impuls auf unsere Erinnerung zu achten, auf die leise Stimme aus der verdrängten Ferne unserer individuellen Wirklichkeit, die hinter der Mauer aus auferzwungener Angst und Ängstlichkeit immer noch nach uns rufen kann, und deren Ruf wir doch nicht verhallen lassen dürfen. Oder wer mag sich selbst schon verhungern sehen?


Groœen Anklang fand der Poster von Alex Greys psychedelischem Portrait von Albert Hofmann. Und wer ein wenig Geduld hatte, konnte ein signiertes Exemplar ergattern..
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Abschließend möchte ich noch einige Worte Albert Hofmanns zusammenfassen, die ich mit der Videofunktion meine Digitalkamera festhalten konnte. Ich gebe sie direkt und unverändert wieder, so wie ich sie aus dem QuickTime höre. Es sind natürlich keine vorbereiteten Reden, sonder vielmehr das spontane und intuitive Suchen nach den rechten Worten.
"Ich verstehe Drogen, die seit Alters her ... ich verstehe darunter Substanzen, die seit Jahrtausenden ... daß der gewöhnliche Sterbliche diese Pflanzen nur gebrauchen soll im Rahmen eines ... einer Feier unter der Leitung eines Schamanen ..."
"... daß unser Bewußtsein veränderte. Das sind alles bewußtseinsverändernde Substanzen. Und was ist das? Wir brauchen ja das Bewußtsein, um über das Bewußtsein nachzudenken. Das Bewußtsein ist der Kern der menschlichen Persönlichkeit. Das Bewußtsein ist eine göttliche Gabe, die dem Menschen gegeben ist. Deswegen war immer der Gebrauch der bewußtseinsverändernden Drogen geschützt. (Sie konnten) nur im zeremoniellen Raum gebraucht werden. Und das ist ja auch die ganze große Schwierigkeit heuzutage: es hat keinen zeremoniellen Raum mehr. Die offiziellen Kirchen sind nicht geeignet, es ist einfach die Schwierigkeit, wirklich den Ort, wo diese Stoffe gemeinsam konsumiert, gemeinsam benutzt werden können – der fehlt bei uns."
"... wünschen, daß in jedem das Bewußtsein des Wunders der Schöpfung offenbar wird, denn der Schöpfer – es muß einen Schöpfer geben – der Schöpfergeist, den wir Gott nennen ... ich wünsche allen, daß in ihnen das Bewußtsein des Wunders, daß Ihnen die Sprache des Schöpfers verständlich wird. Gott spricht nicht durch Worte, er spricht durch seine Schöpfung zu seinen Geschöpfen, die diese Sprache verstehen können."
Ich danke von ganzem Herzen Albert Hofmann für seine herzliche und menschliche psychedelische Pionierarbeit und Dieter Hagenbach dafür, daß diese Veranstaltung möglich wurde. Ich weiß, daß nach diesem Wochenende Tausende von Menschen glücklich nach Hause gegangen sind und in sich neue (uralte) schöpferische Impulse gespürt haben, die ihnen den verschütteten Pfad in ihre individuelle sprituelle Welt wieder ein Stück weit freigemacht haben.
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L S D 2 0 0 6 I n d e x



Die von den Lightriders wunderbar inszenierte Light-Show für das Akasha Projekt, das Star Sound Orchestra und der überraschent aufgetretenen Urformation der Guru-Guru. Mehr darüber als Bilderserie.



Schamananen unter sich, Christian Rätsch beantwortet fragen, und mein Gast aus Österreich hört zu.



Belagerungszustand am Gaia-Bazar: Bücher und andere Unterlagen zum Thema Bewußtseinsbildung.



Dieter muß es halt noch einmal erklären. Kleine Randbemerkung: Leider konnte er trotz aller Erklärungen und Bemühungen zu Lebzeiten von Timothy Leary den "High Priest of LSD" nicht zu einem Vortrag in die Schweiz einladen. Die Behörden zeigten sich stur und engstirnig: Timothy Leary wurde die Einreise verweigert. An diesem Beispiel zeigt sich wie gefährlich ein Freidenker für die Gesellschaft sein kann. Selbst jemand, der über LSD offen sagte, daß der Gebrauch von LSD voraussichtlich eine Zeitlang wohl notwendig sein mag, um Bereiche seinens Bewußtseins zu erforschen, die sonst verschlossen wären, der Gebrauch von LSD aber spätestens nach zwei Generationen nicht mehr notwendig sei.


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