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Bewußtseinserweiterung für Jung und Alt

Das LSD Symposium Basel, 13. bis 15. Januar 2006

Kapitel 1
Einleitende Worte

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Krautrock aufgewärmt: Altdeutsche Psychedelik-Rocker GuruGuru spielen zum ersten Mal den LSD-Marsch Live.
Und das in der Stadt, wo das LSD entdeckt wurde.

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Es gibt Veranstaltungen, die den Rahmenbegriff Veranstaltung bei weitem sprengen.
Jede Veranstaltung verwürzt sich zunächst einmal selbst mit der Anwesenheit eines Sortiments an Schleimscheißern, Trittbrettfahrern und Schnüfflern. So wähnte ich auch das LSD-Symposium in dieser Schublade. Natürlich gibt es auch Regeln ohne Ausnahme, dafür hat die menschliche Natur bereits im Übermaß gesorgt. Aus diesem Grunde wollte ich mir das Theater auf der Nebenbühne entgehen lassen (jener Bühne, auf der sich – im Gegensatz zur Hauptbühne – der Trittbrettfahrer befindet) und demzufolge bestenfalls den Vortrag vom Christian Rätsch anschauen gehen bzw. das Konzert am Samstagabend.
Nun, das Schicksal ergab sich, daß dem Dieter Hagenbach seiner Mitarbeiterin der Mac ein paar Tage vor dem Symposium zu spinnen anfing. Die ohnehin bereits nervlich überbeanspruchte Dame begann den Kreuzweg der Verzweifelten zu besteigen. Wenn nicht da ich gewesen wäre, der die Funktionsfähigkeit des digitalen Helfers wiederherstellte (die Rettung, wie man sie auch in Wien nennt: Tatü, tatü!) und damit folgendes Gespräch auslöste:
Dieter: Gibst dem Edward eine Dauerkarte?
Angela: Das habe ich schon.
Dieter: Ohne mich zu fragen?
Angela: Ich habe ihn als Computerhilfe eingeteilt.
Dieter: –
Und so kam ich in den Genuß einer Dauerkarte für das LSD-Symposium.
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Der vollgepackte San Francisco Saal im Messegebäude Basel, das Volk wartet gespannt und der Meister wird inzwischen backstage zur Bühne geführt.
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Was mich da erwartete, war nicht mehr in Worte zu fassen. Vielleicht muß ich in diesem Sinne das Ereignis in das äußere Ereignis und in das innere Ereignis aufteilen, denn seine Wechselwirkung auf mich war sowohl von allgemeiner kultureller und – ich wage das Wort so locker auszusprechen – spiritueller Bedeutung.
Kultureller, weil dieses Ereignis nach den vielen (sechzig) Jahren vorzeigte, daß die Gattung der psychedelischen Kunst noch lange nicht in jener Sackgasse steckengeblieben war, in der man – betrachtet man sie auf hippie’scher-nostalgischer Weise – ohne Ausweg verklemmt zu sein schien. Dafür haben die vielen Erbauer von Synthesizern und die vielen Maler und VJs gesorgt, die den Faden der Sixties aufgenommen und weitergesponnen haben. In Klartext: Wir sind möglich, im Gegensatz zu unmöglich. Wir, die Urhippies und Nach-Hippies, wobei die Ur-Hippies eigentlich eine große Verantwortung gegenüber den Nach-Hippies hätten, gell.
Und: Ich hatte mich geirrt in meiner Feststellung, man brauche keine Megastars mehr. Die Menschheit (siehe ganz oben) bewegt sich immer noch im Fahrwasser des Rudelführers und das wird sie noch lange tun. Anscheinend haben wir immer noch keine Wahl, wir Hammel blicken immer wieder auf ein Vorbild, auf einen Prototüpen (ist das nicht eine schöne Art "Typ" zu schreiben?), auf einen Big-Hero-Voarbild-Obergeilisdeslichtaufdaleinwond. Soll’s mich auch nicht mehr stören: gute Genußmittel sind rar geworden oder sie haben einen Virus, nicht wahr, Max, my dear Dark Angel?
Jedenfalls haben wir am Samstagabend psychedelische Kunst vom Feinsten erlebt (siehe unten).
Und sprituell, weil der "Impact" des in diesen drei Tagen Erlebten in mir nach langem wieder eine Aura der Geborgenheit ausgelöst hat – begleitet von der zermürbenden Erkenntnis, daß unsere Medien jedem Ereignis solcher Art belächelnd den Rücken zukehren, und verniedlichend milde grinselnd (schon wieder eine schöne neue Worterfindung, indeed) wieder der Tagesordnung der systematischen Massenverblödung nachgehen. Ein hundertjähriger Chemieangestellter in Pension spricht zur Jugend und zur Welt und sagt das, was die Vampire und Kinderschänder der Päpste, Kardinäle und was weiß ich für kirchliche Würdenschlepper und Wortverdreher trotz aller ihrer Megafestivals und Waffensegnungen nie auch nur im Ansatz nur denken können. Ein hundertjähriger feingliedriger zarter Mann steht wacklig auf der Bühne und spricht. Ja: er hat – im Gegensatz zu den vielen Politikern vor, über, hinter, in und unter uns – gesprochen. Etwas gesagt. Hans Dieter Storl und Christian Rätsch haben gesprochen.
Fassen wir die Worte Albert Hofmanns zusammen, haben wir es beim LSD nicht mit einer chemischen Substanz allein zu tun, sondern mit einem lebendigen Wesen. Sprechen wir’s aus: eines Devas. Ich hatte eine Veranstaltung von fast erschreckender Religiösität besucht. Es war hier die Rede davon, daß Albert Hoffman nicht nur "unsauber" gearbeitet hatte, und deshalb "zufälligerweise" mit einer "bewußtseinsverändernden" Substanz in Kontakt gekommen war, nein, das ist viel zu, viel zu banal. Ein – so wurde es umschrieben – "Molekül" hatte ihn gerufen, seine gesicherte Arbeitsweise umgangen und ihn mit seinem Ruf in eine surreale Welt von Wahrträumen entführt, deren Existenz zwar schon von allen Shamanen auf der Welt erfahren worden war, von den Surrealisten Europas wiedererahnt, aber von der Gesellschaft totgeschwiegen, unterdrückt und – erschreckendst über allem – unter ein mentales Verbot gestellt wurde: unter ein Verbot, das nicht nur gesetzlich verankert ist, sondern auch mit einem Siegel aus Angst und Verunsicherung versehen ist, das das Fundament der Denkweise unserer Gesellschaft ausmacht.
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Und jenes Fundament wurde mit dieser Veranstaltung durchbrochen. Die Ab- und Aufgänge in die verschütteten Welten der Seele wurden als frei erklärt. Die inneren Welten der Liebe, der Erkenntnis, der reinen Freude und vor allem des unbeschränkt freien Denkens wurden als seelisch erfaßtes Manifest wiederentdeckt und bestätigt. Es wurde bestätigt, daß es sie gibt und daß sie für unser Leben von immenster Wichtigkeit sind. Das wir ohne diese Welten, ohne diese wichtige Freiheit nur mit einem Bruchteil unseres Lebensgefühls auf der Welt daherstolpern. Erst die regelmäßige Begegnung mit dem Unbekannten kann uns soweit schulen, daß wir Wahrnehmung der Wirklichkeit erlangen: die unendliche Last der Schuldgefühle abstreifen, mit der man uns seit Jahrtausenden am Gängelband hält; so auch ein Lebensgefühl entwickeln, das unser ganzes Dasein mit Schönheit, tiefem Fühlen, kindlicher Hoffnung und verinnerlichtem Frieden erfüllt.
Der Shamanismus ist ein solcher Weg (ein). Und der (ein) Shamane des Abendlandes scheint LSD zu sein (bitte aufmerksam lesen, es steht hier nicht das, was man vermeint). (Macht das Licht aus, meine Augen leuchten blau.)
Selbst die Garderobefrauen hatten bemerkt, daß sie schon so manchen Symposium miterlebt hatten, aber so etwas noch nie.
Ich betrachte: Es war mehr als ein Symposium, mehr als ein Plenum, viel mehr als nur eine Veranstaltung von aneinandergereihten Vorträgen. Es war eine Zusammenfassung einschneidender Erlebnisse und Vorgänge aus den letzen sechzig Jahren eines wichtigen Teils der Menschheitsentwicklung. Ich würde behaupten, die Basis des Abendlandes als Destillat: das, was an wichtigen – und das ist nun das Ausschlaggebende für seine Bedeutung – persönlichen, und das möchte ich nochmals betonen, persönlichen Erlebnissen in Abertausenden Menschen stattgefunden hat, zum Teil lebensverändernden Erlebnissen, die durch die Wirkungsweise dieser mir "unverständlicherweise" verbotenen "Droge" LSD erlebt wurden. Wie jede spirituelle Erfahrung wird man durch ein solches Erlebnis in eine – ich will es so nennen – positive Relation versetzt. Das Alltägliche wird sehr schnell einmal nichtig und die alltäglichen Probleme treten in eine – für viele Menschen, die ungeschult solche Erlebnisse suchen – gefährliche Ferne. Das Alltägliche wird logischerweise aus dem Vordergrund in den Hintergrund gestellt, weil sich das veränderte, viele würden nun sagen: erweiterte Bewußtsein mit einem ganz anderen – vor allem in einem persönlichen und in einer unmittelbar erlebten Gegenwart wahrgenommenen – neu erscheinenden tiefen Realitiätsempfinden seines Selbst und seiner Um- oder Innenwelt mit den seinigen Wahrnehmungen beschäftigt.
Dieses oft von (gesellschaftlich argwöhnisch behandeltem, oft neiderfüllten und deshalb bewußt unterdrücktem) überschäumenden Glücksgefühl begleitete Erleben kann zu einem Katalysator für Veränderungen in Gesellschaft und Zusammenleben und Zusammen-Empfinden führen, die für den allein dem handelsüblichen stuporhafen Alltagserleben gewohnten und konditionierten Menschen als Bedrohlich erscheinen. In erster Linie ist es das auch, denn Hand in Hand mit dem durch das LSD Erlebte muß auch eine Abstimmung mit den materiellen Bedürfnissen des Einzelnen stattfinden, ansonsten verhält es sich wie mit den meisten Begegnungen mit den "Naturwesen", und auf diese Weise will ich auch das, was wir mit dem Begriff LSD umschreiben, bezeichnen. Naturwesen sind äußerst großzügig, was wir Menschen nicht sind. Naturwesen sind verführerisch, oft für uns auf unermeßlich kindliche Weise verführerisch und merken selbst nicht, wie sie uns in ihre gewohnte Welt ziehen, vielleicht nur aus reiner Freude, ohne zu merken, wie wir unbeholfen plötzlich die Orientierung und damit den Boden unter den Füßen verlieren und in einen Abgrund der Verwirrung stürzen, weil wir unser ganzes Leben lang, und – glaubt man an Reinkarnation – viele Abertausende Leben lang – auf Unterdrückung, Freudlosigkeit und Abhängigkeit gedrillt sind und diese sich nun explosiv ausbreitende oft kritiklose und natürliche Lebensfreude das uns fesselnde Grau eines sinnlosen Alltags mit einem Schlag wegwischt und damit durch das nun nicht mehr von Staub und Geschmier verdunkelte Fenster unseres Bewußtseins eine ungeanhte Sonne scheint und ebenfalls ungeahnte Landschaften zu sehen sind (nicht umsonst hieß eine Sorte LSD "Windowpane" ...).
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Dieter Hagenbach betrachtet sein Werk: ein Höhepunt des Symposiums breitet sich vor seinen Augen aus. GuruGuru in der Urbesetzung und die Light-Show der LightRiders.



Albert Hofmann im Gespräch mit Lucius Werthmüller, Vorsitzender des Basler PSI-Vereins.



So wurde auch das Geschehen von leuchtenden Hulahoops begleitet. Welcome to Goa.

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