Über die Hare-Krishna-Bewegung

Die verkannte Ekstase

Die Hare Krishna Doku
Einleitende Worte

 

 




 



Ein Devotee (Gott-Hingegebener) vor dem wie üblich üppig und liebevoll geschmückten Altar.
Hare-Krishna-Tempel, Zürich.

 
 




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Welche Werte stecken hinter den Kulissen des Lebens?
 
Immer schon habe ich nach diesen Werten gesucht. Ich behaupte: Ich finde sie. Ich finde sie in der Offenheit der Japanischen Seele, im Schalk der Jamaikaner, in der Muse des Wienerwalzers und in der Transdendenz der fernöstlichen Philosophien. So haben die kurzen Begegnungen mit den Rastas, mit den Japanern, mit der Brasilianischen Unterschicht und mit den Suchenden im Morgenland erstaunliche Ergebnisse hervorgebracht. Ergebnisse, die mich immer mehr dazu aufgefordert haben, das Gesehene und Gehörte aufzuzeichnen. Dazu ist ein Fotoapparat ein gutes Instrument, und ein Buch ein ebensolches: Der Fotoapparat zeigt den Moment und den Ort des Geschehens auf, das, was das Wort nie schildern kann, und das Buch, der Bericht, lebt von seinen erzählerischen und erklärenden Eigenschaften. Und doch können weder das einzelne Bild noch das geschriebene Wort wie im Vorbeigehen - theatralisch - einen Sachverhalt schildern. Dazu braucht es den Film, oder Video. Was bietet sich mehr an, als das aufdringlichste und vielseitigste Medium der Jetztzeit dazu zu gebrauchen, den Versuch zu unternehmen, das Spannungsfeld von Immanenz und Transdendenz festzuhalten? Es wird ja immer nur ein Versuch bleiben, da keine Kamera in die jenseitige Welt sehen kann und auch nicht in das Denken und Fühlen der Menschen. Dazu muss man sich wieder des Standbilds bedienen, des Interviews und des Diagramms, Werkzeuge, die doch wieder nur Krücken der Mitteilung bleiben müssen.
 
 

 
 
 
 

 
Bei uns gänzlich unbekannt: Das Feueropfer. Getreide, Früchte, zerlassene Butter und andere Ingredienzen werden dem Feuer beigemengt und so Krishna geopfert. Die daraus entstandende Asche ist heilig.  
Im Rahmen der Tätigkeiten des sogenannten "hingebungsvollen Dienstes" kommen Lebnsaspekte wieder zum Tragen, die bei uns – wie soll ich es nennen? – "aus der Mode gekommen" sind. Gefaltete Hände und bis auf den Boden verneigte Devotees zeugen von der inneren Haltung, die man Krishna gegenüber einnimmt als Manifestation Vishnus (und umgekehrt): die Anerkennung des Herren des Universums.


 
 
 
Warum ein Film über Hare Krishna? Ich versuche, das Innenleben jener Menschen einzufangen, die für unser so unübersichtliches und bedrohliches Heute einen Sinn suchen, wenn nicht sogar behaupten, gefunden zu haben. Oder aber - vielleicht - sogar gefunden haben. Einen Sinn, der weder neu noch alt ist, sondern schlichtweg vernünftig, menschlich und natürlich: und damit von einer Lebensweise begleitet, die eine Form von Schönheit wiederauferstehen lässt, die in der Westlichen Kultur schon lange abhanden gekommen ist. So wie wir - und das ist natürlich eine subjektive Meinung - die Menschenwürde sowohl in den musischen Künsten, in der Kleidung, der Ernährung und der Religion bzw. Philosophie fast gänzlich verloren haben, so sehe ich dennoch und gleichzeitig dieses Bedürfnis nach einer menschengerechten Lebensweise immer wieder, wenn auch oft nur als unbewusstes schwaches Glimmern, aufleuchten. Die Suche nach Sinn, Schönheit und Würde sehnt sich nach einem Leben in Harmonie mit sich, mit Gott (wie man auch immer diese Bezeichnung für sich defineren mag) und der Welt. Einer Lebensweise, die uns auch eines Tages zufrieden sterben lassen wird.
 


Guruverehrung im Hare Krishna Tempel in Zürich. Hingabe an den Meister oder Götzendienst? Gute Frage. Vermutlich wird diese Frage dann beantwortet, wenn man die innere Haltung eines Devotees versteht.
 
 

Dazu gibt es viele Beispiele. Ich wage den Jamaikanischen Rastafari-Glauben anzuführen, der uns den so unglaublich hypnotischen Bob Marley beschert hat; das chaotisch erscheinende Gemisch von Buddhismus und Shinto in Japan, das bis zum heutigen Tage sein Volk bis hin zu den Manga-Freaks prägt; das lange Zeit von den Amerikanern verbotene Hula auf Hawaii, das in seiner verwässerten Form Stoff für die Träume der Elvis Presley Filme hergeben musste aber auch die vielen spirituellen und weniger spirituellen Vereinigungen und Vereine wie Hare Krishna, Transzendentale Meditation, die Osho University (ehemals Bhagwan) oder die Freunde von Mahavatar Babaji, zu denen auch eine Nina Hagen heute zählt. Es waren die Vorträge Armin Risis, die meine Bekanntschaft mit der Hare Krishna Bewegung nach etwa dreissig Jahren nach der ersten Begegnung wieder aufleben liess. Armin Risi, oder Attma Tattwa, wie er mit "Devotee"-Namen heisst, der in seiner wunderbaren Zusammenfassung weltweiter Metaphysik in seinem Buch "Gott und die Götter" ein extremes Konzentrat der holistischen Weltsicht zusammengetragen hat. Damit wurde mir schlagartig bewusst, was eigentlich hinter dieser, oberflächlich gesehen, so weltfremden erscheinenden Bewegung eigentlich steckt. Mit Sony Digitalvideokamera und Akkugurt bewaffnet machte ich mich daran, das, was ich in der zweijährigen Auseinandersetzung mit Hare Krishna erfahren hatte, zu dokumentieren.
 
Es sei gleich gesagt: Ich machte alle Anhänger der Bewegung gleich von Anfang an darauf aufmerksam, dass das nie und nimmer und auf keinerlei Art und Weise ein Werbevideo sein wird. Ich möchte so objektiv wie möglich bleiben. Ich bin bis zum heutigen Tage kein Devotee geworden und habe keinerlei Einweihungen entgegengenommen. Ich möchte den Inhalt dieser Lebensansicht und Lebensweise dokumentieren: all die philosophischen und religiösen Aspekte, all die Vielfalt, die wir als "Aussenstehende" nie zu gesicht bekommen, Aspekte, die dazu beitragen, die ganze Hinduistische Welt begreifen zu können und damit auch die Kultur jener, die aus Sri Lanka geflohen sind, und nun in einem fernen Europa genau dieselbe Religion praktiziern, wenn auch die Götter manchmal andere Namen haben.
 
 
 
Andererseits möchte ich kritisieren, dass man versucht, eine aus Indien stammende Lebensweise praktisch 1:1 in den Westen zu transponieren. Was in fast allen Fällen kläglich daran scheitert, dass es in vielen Fällen zu einem massiven psychologischen Absturz kommt. Genausowenig möchte ich die vielen brutalen Fälle von Kindsmisshandlung und psychologischer Tortur beschönigen, die im Rahmen der Bewegung Wurzel fassen konnten und - wie es in solchen Fällen eigentlich die Regel ist - von den zuständigen Personen übergangen, verharmlost oder totgeschwiegen wurden.
 


Bajan (Musizieren zu Ehren einer Gottheit) in Mayapur zu Ehren Lord Chaytanyas, der vor fünfhundert Jahren das Rezitieren des Hare Krishna Mantras empfohlen hat. Ein Schnappschuß von einer Pilgerreise einer Gruppe von "Devotees" nach Mayapur, Muktinath und Vrindavan.
 
 

Weder möchte ich etwas beschönigen, noch - und das schon gar nicht - das Licht des Schönen unter den Schemel stellen. Denn die Essenz dieser Bewegung ist, ich spreche da meine Meinung aus, die ich aus jahrelanger Erfahrung gesammelt habe, rein. Der Bezug zum Leben wird, wenn auch oft unbeholfen gelebt, auf kindliche und einfache Weise angestrebt, im Gegensatz zu unserer sonst komplizierten Denk- und Empfindungs-Weisen. Fällt diese Lebenshaltung auf dem Boden der Freundschaft mit einer vernünftigen Abwicklung unseres Alltagslebens, dann haben wir schon einmal eine Energieform entdeckt, die unser Leben nicht nur Bereichert, sondern schlichtweg transtendiert, ihr einen Wert gibt, der nicht nur das irdische Dasein mit Schönheit und Sanftheit bereichert, mit Frieden und Gesundheit, sondern auch einen übersinnlichen Wert dazulegt, als Wert, der über den Tod hinausgeht.
 



Eine typische Japa-Mala. Eine Gebetskette aus 108 "Perlen" aus dem Holz der Heiligen Tulasi-Pflanze. Die Japa-Mala wird zum Rezitieren des Hare Krishna-Mantras gebraucht.
 
 
Es ist vor allem diese Essenz, die mir wichtig ist, darzustellen. Eine Essenz der Freude und der Schönheit, des Künstlerischen und Mystischen. Jener Elemente, die uns verlorengehen, jener Elemente, die in Ländern wie Japan und Thailand auf Schritt und Tritt die Menschen in ihrem Dasein begleiten. Jene gleichen Elemente, die in Tibet von Chinsesischen Militärstiefeln zerquetscht worden sind. "Hare Krishna". Dieser Video ist mein erster bescheidener Versuch, solche Inhalte auf Band zu bannen. Diesem möchte ich weitere Versuche folgen lassen, sicher über Japan, vielleicht auch über Hula, sicher über psychoaktive Pflanzen, Shamanismus, sicher auch über solche Themen, die auch hier in der Schweiz noch lebendig sind, wenn auch zum Teil nur mehr in entlegenen Winkeln anzutreffen sind. Dieser Film ist auch der Versuch zu schildern, wie Menschen, die hier leben, eine östliche Lebensansicht vertreten und auch im Alltag zu integrieren bemüht sind. Über ihre Erfolge und auch ihr Scheitern.
 
 
 

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Hare Krishna   I n d e x


 
 
Die Hare-Krishna Doku

Einleitende Worte.

Shrila Prabhupada auf Hawaii

Vom erfassen der Höllischen Welten im Paradies.

Ein Besuch in Amsterdam

Ein Gespräch mit Kadamba Kanana Swami


 

 


Krishna und Balaram, zwei unzertrennliche Freunde. Krishna als Kind beim Spielen in den transzententalen Gärten Vrindavans. Gemälde von Krishna-Jüngern.
 
Im Gegensatz zu anderen Yoga-Richtungen konzentrieren sich die Krishna-Anhänger auf einen persönlichen Gott. Andere Yoga-Schulen wie die Anhänger von Ramakrishna (Kalkutta), Sai Baba oder Babaji werden von ihnen als "Unpersönlichkeits-Schule" bezeichnet, da hier das Ziel weniger die Gemeinschaft mit ihrem persönlichen Gott, in diesem Falle Krisha, liegt, vielmehr die Verschmelzung mit einer unpersönlichen Enegie wie weißes Licht. Die Krishna-Devotees sehen in Gegensatz dazu das ganze Universum von persönlichen Intelligenzen gesteuert, die von Anfang bis zum Ende eines jeden Schöpfungszyklus als Persönlichkeit existieren.
 


Die Persönlichkeit Vishnu als Allmacht hinter dem Geheimnis der Schöpfung.
 

 


Die Beschäftigung mit dem Thema "Krishna-Bewegung" führte mich bis nach Nepal. Hier im Gespräch mit Sachinandana Swami (hier im Minirock) auf dem Pilgerweg nach Muktinath.
 

 


Kochtopf in Mayapur.
 
Ernährung spielt auch hier eine wichtige Rolle. In diesem Falle ist sie so abgestimmt, daß sie einem Leben als Vaishnava (Vishnu-Anhänger) entspricht: streng Vegetarisch, also kein Fleisch und kein Fisch, aber auch keine besonders scharfen Speisen, und auch keine Pilze, keine Zwiebel und kein Knoblauch. Dieser Speiseplan ist für Vaishnavas Vorschrift. Gekocht wird, wenn möglich, mit dem getrockneten Dung von Kühen, da das Feuer des Kuhdungs die nötige volle Energie zur optimalen Speisezubereitung liefert.
 


Getrockneter Kuhdung.