Über die Hare-Krishna-Bewegung

Die verkannte Ekstase

Ein Besuch in Amsterdam
Ein Gespräch mit Kadamba Kanana Swami

 

 




 



Kadamba Kanana Swami
 
 




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Wühlt man zurück in die Geschichte der Hippie-Bewegung, dann landet man in Europa nicht nur im swinging London, sondern auch in der damaligen Hippie-Metropole Amsterdam, die natürlich eine der größten Ableger der Krishna-Bewegung vorzuweisen hatte. Man bemerke: eigentlich sind die Hippie-Bewegung und und die Krishna-Bewegung untrennbar liiert, denn durch die Kontakte Swami Srila Prabhupadas und Maharishi Mahesh Yogis mit den Beatles öffnete sich plötzlich ein Kanal, durch den die Indische Kultur wie eine Sturzflut über den Westen hereinbrach. Durch diese Impulse kam der Hinduismus und auch, wenn auch etwas weniger intensiv, der Buddhismus, in den Westen und kickte die Landeskirchen ins Abseits (schlußendlich stammte auch der Hanf aus Indien, und selbst das oberbekiffte Jamaika bekam ihr Heiliges Kraut zunächst aus Indien importiert). Inzwischen ist die Szenerie der Hare Krishnas in Holland stiller geworden, die meisten von ihnen sind nach Belgien gegangen. Übrig geblieben ist ein kleiner Ashram, wo wir ein Gespräch mit dem amerikanischen Krishna-Devotee (Krishna-Hingegebener) Kadamba Kanana Swami führten.
 
 

 
 


Der Ashram der Hare Krishnas in Amsterdam mit einem kleinen Blick in den Tempelraum.
 
 


Drei Vaishnava-Kids in Maypur, eindeutig erkennbar an der Zeichnung des Tilaks auf der Stirn.

 
 
 

 
Ein Gespräch mit Kadamba Kanana Swami
 
Der Stab der Sannyasins. Also dieser Stab, der neben mir steht, ist der Stab eines Sannyasins.
In der Vedischen Kultur hat es verschiedene Lebensabschnitte. Zunächst hat es den Studenten, den Brahmachari. Dieser Student erfährt nicht nur eine Ausbildung, was die Vedischen Schriften angeht, er wird auch in Sachen Moral und Charakter ausgebildet. Er lernt, seine Sinne zu beherrschen.
In der nächsten Phase mag er vielleicht heiraten, das nennt sich Grihastra.
Nach der Phase des Verheiratet-Seins mag er vielleicht in den Wald gehen. Dort kann er sich auf ein Leben der Entsagung vorbereiten.
Diese letze Phase ist die Phase des Verzichts. Dieser Lebensabschnitt bedeutet, daß man jeden Genuß materieller Dinge aufgebegen hat. Man widmet sein Leben Krishna, das Leben wird sprituell.
Dieser Stab beinhaltet drei Aspekte, den er besteht aus drei Bambusstäbe. Ein Stecken repräsentiert das Denken, ein Stecken für die Worte und ein Stecken für den Körper. Die Gedanken, die Worte und der Körper werden für Krishna aufgegeben.
Deshalb tragen wir diesen Stecken mit, um uns an dieses Gelübte zu erinnern. Aber auch um zu zeigen, woran wir glabuen, denn besonders ein Sannyasin vertritt die sprituellen Prinzipien, es ist sein Geschäft, einfach um die Welt zu wandern und die Menschen an dieses sprituelle Leben zu erinnern.
Früher würde ein Sannyasin einfach von Dorf zu Dorf wandern, heute fliegen wir natürlich um die Welt, von Großstadt zu Großstadt, aber es ist eigentlich das gleiche.
 
 
Kritik an der Hare-Krishna-Gesellschaft. Wir haben darüber gesprochen, wie verschiedene Leute die Gesellschaft für Krishna-Bewußtsein betrachten (Wir hatten über die oft lieblose Art gesprochen, wie Devotees miteinander umgehen können, bzw. auch die vielen Fälle von schwersten Kindsmißhandlungen erwähnt, die in den Gurukulas vorgefallen waren). Manche glauben, es sei eine wunderbare Gesellschaft, manche sehen so viele Probleme mit so vielen individuellen Mitgliedern der Gesellschaft und fühlen sich entmutigt und deprimiert. Wer hat nun recht? Ist eine Gruppe einfach pessimistisch und eine andere optimistisch? Was steckt tatsächlich dahinter?
 
Ich möchte das mit einem Modell erklären. Ich möchte die ISKCON in drei Ebenen darstellen. Dieses Modell könnte man genausogut auf irgendeine sprituelle Organisation übertragen, aber was die ISKCON angeht, ist dieses Modell eindeutig zutreffend.
Die oberste Ebene ist die Organisation. Die zweite Schicht, die sich darunter befindet ist die Ebene des Vorgangs. Und zuunterst ist die Ebene des Göttlichen Einflusses.
Die Organisation geht durch seine Höhen und Tiefen, die Verantwortlichen kommen und gehen, die Leute tun wunderbare und auch schreckliche Dinge. Also dort wird es immer ein auf und ab geben. Allerdings: Die zweite Ebene, der Vorgang, ist davon nicht betroffen. Der Vorgang wurde vor fünfhundert Jahren von Chaitanya Mahaprabhu gegeben. Zu jener Zeit wurde geoffenbart, daß das Chanten von Hare Krishna Vollendung schenken würde. Dieses Chanten von Hare Krishna auf dieser Ebene funktioniert heute noch. Es ist heut noch so kräftig wie es damals war, nichts hat sich verändert.
 
 
 
 
In der untersten und tiefsten Ebene dieser Bewegung liegt, das es sich um eine spirituelle Bewegung handelt, der Plan Gottes. Dort ist also der Göttliche Einfluss. Es geschehen so viele Dinge in dieser Bewegung nur durch höhere Fügungen, man darf sich das nicht als eine gewöhnliche Bewegung vorstellen. Selbst wenn wir glauben, daß auf der organisatorischen Ebene die Dinge nicht so sind, wie sie sein sollten, weil es dort so viele Probleme hat, hat es auf der untersten Ebene des Göttlichen Einflusses einen höheren Plan, und eine schlechte oder gute Organisation wird darauf nie etwas ausmachen.
Indem man also tief in die Ebene des Vorgangs eintaucht, indem wir zum Beispiel chanten usw., erhalten wir nach und nach Einblick in den Göttlichen Plan.
 
 


Tilak ist Heiliger Ton, Heilige Erde, die von Heiligen Stätten stammt. Dieser Ton oder Schlamm wird auf dem Körper an zwölf verschiedenen Stellen aufgetragen; sichtbar vor allem auf der Stirn, aber auch auf er Bauchgegend, auf der Brust, an den Seiten, auf den Armen, unten und oben auf dem Rücken.
Während man das Tilak aufträgt, wird ein Mantra ausgesprochen, das eine Deity installiert. So wird zum Beispiel die Deity Keshava auf die Stirn installiert. Keshava ist eine Erweiterung Krishnas und eine Form Vishnus. Damit machen wir aus unserem Körper einen Tempel, wir tragen zwölf Tempel auf!
Es hat verschiedene Sorten von Tilak. Diese Form von Tilak ist Gurdra Punja Tilak. Dieses Tilak sieht aus wie ein "U" und auf der Nase liegt ein Blatt, das ist die Heilige Tulassi-Pflanze. Diese Pflanze ist Vishnu sehr nahe, und auch Krishna, es ist ein Devotee in der Form einer Pflanze.
Die beiden Striche zeigen, daß es sich um einen Vaishnava handelt, einen Vishnu-Anhänger. Damit können wir mit dem Tilak den Orden erkennen. Es hat in der Indischen Gesellschaft so viele Traditionen, also hat es auch verschiedenste Tilaks. Wenn man zu einem großen Indischen Festival geht wie das Khumba Mela, sieht man alles Mögliche an - hm - Kriegsbemalung: Man sieht breite weiße Flächen mit Rot in der Mitte, horzontale Streifen, kleine Tupfen in der Mitte, alles Mögliche. Und alle weisen auf eine bestimmte Linie hin, aus der diese Person stammt. "Aha, der kommt aus der Linie, der kommt von daher." Es ist eine Art von Identifikation, aber man darf nie vergessen, daß man eine Gotteheit auf zwölf Orten des Körpers herabruft, durch die der Körper zu einem Tempel wird. Und wenn der Körper ein Tempel ist, muß man ihm auch den nötigen Respekt entgegenbringen. Du wirfst nicht unbedingt ein Faß Bier in den Tempel! Das wär nicht unbedingt angebracht.
Indem man also Tilak trägt man die Verantwortung, ein reines Leben zu führen. Es ist ein Struktur, die uns darin unterstüzt, diesen hohen Lebensstandard zu erhalten. Tilak erinnert uns daran, daß der Körper ein Tempel ist, die Farbe unserer Gewänder erinnern uns daran, daß wir ein Leben der Entsagung führen, der Stab erinnert mich, daß Denken, Wörter und Körper der Dienst an Gott gewidmet sind. So werden die Attribute, die wir an uns tragen zu einem Teil einer Kultur. Diese Attribute helfen uns eine Stimmung zu erzeugen, die es uns erleichtert, ein spirituelles Leben zu führen.
 
 
 

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Hare Krishna   I n d e x


 
 
Die Hare-Krishna Doku

Einleitende Worte.

Shrila Prabhupada auf Hawaii

Vom erfassen der Höllischen Welten im Paradies.

Ein Besuch in Amsterdam

Ein Gespräch mit Kadamba Kanana Swami


 

 


Eine klassische Rollenverteilung: während der Bhaktaklasse (erläuterns der Schriften durch einen Krishna-Jünger, etwa einer Predigt gleichzusetzen): die Frauen nähen und Bügeln und die Männer thronen vor dem Laptop.
 


Naja, nicht ganz. Es darf ein Herr Devotee auch mal Kartoffel schälen.
 

 


Schüler eines Gurukulas auf dem Weg zur Schule in Mayapur. Es bleibt zu hoffen, daß ihnen die Schicksale erspart bleiben, die viele von ihren Schulkameraden in den Krishna-Schulen widerfahren waren.
 
Mißbrauch und Schande
Auch das gab es: in den weltweiten Gurukulas, den Schulen die die Internationale Gesellschaft für Krishna-Bewußtsein gegründet hatte, fanden haarsträubende Verfehlungen statt. Nicht nur hatten allzu übereifrige Krishna-"Hingegebene" ihre Kinder einfach dort abgegeben, wie sie dort zum Teil behandelt wurden, spottete jeder Beschreibung. Nicht nur die erzieherischen Maßnahmenn schienen dem tiefsten Mittelalter entliehen, auch die vielen Fälle von Kindsmißhandlung schwersten Ausmaßes warfen einen dunklen Schatten über die ganze Bewegung. Wir sprachen über dieses Thema nicht nur mit Kadamba Kanana Swami in Amsterdam sondern auch mit dem offiziellen Pressesprecher der ISKCON in London. Die Vorfälle hatten zur Folge, daß alle Schulen in den USA geschlossen wurden und alle Gurukulas nun strengen Kontrollen unterworfen sind.
 


Zeitungsausschnitt, Tagesanzeiger, Schweiz.