Die Deity
Worüber es hier nicht geht, ist Götzendienst. Vielmehr geht es hier um lebende Steine und um Götter, die in Wasser leben, oder in Sträuchen.
 
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Sri Haidakhandi Swari Mata wird nach einem Ritual von einer Devotee auf dem Kopf wieder in den Ashram zurückgebracht. Vor dem Dhuni, Zentrum der Einheit, Schwaibenalp, Schweiz.
 
Die Deity steht weit über den Menschen, repräsentiert in der Regel unmeßbare Weisheit, tiefes Empfinden und ausuferndes Erleben. Viele Kragennummern mehr als wir. Darum ist es nur einem emotionell gesunden Menschen möglich, eine vernünftige Beziehung zu einer Deity zu finden. Alle anderen projizieren nur das schwache Glimmern ihrer eingeflaschten (oft verzweifelt aus dem Alkohol wiederzustellen versuchte) Gefühlswelt auf ihre Beziehung zur Deity. Da bleibt alles im Bog stecken. Eine Deity muß wie ein Hund behandelt werden, den man ins Herz geschlossen hat. Ich habe jetzt absichtlich den Hund gewählt, denn ein Mensch ist uns zu nah. Den Hund verstehen wir nicht, bequasseln ihn ständig mit Dingen, die ihm vermutlich gar nicht so viel bedeuten und übersehen, daß er in einer anderen Welt lebt und uns vor allem dort wahrnimmt, wo wir es gar nicht vermuten. Also übertragen wir ruhig diese Kluft auf unsere Beziehung zur Deity.
 
Diese Einleitung klingt zwar holprig, aber ich weiß im Moment nicht, wie ich sonst Deitybewußtsein beschreiben soll.
 
Wie im Video über Kundas zu sehen ist, leben auch Tiere in einer Gottheit. Die Schildkröten im Radhakunda in Vrindavan sind ganz, ganz spezielle Wesenheiten, deren Lebensbedeutung uns völlig unbekannt ist, die sich in diese Tiergestalten inkarniert haben, um in Radha oder Krishna zu leben. Wenn wir schon eine Tierseele nicht verstehen (können), wie wollen wir die multidimensionale Deity begreifen wollen?
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Grundlagen der Holistics
Index
 
  Gedanken und Grundlagen

Einige (wichtige) Begriffe und Sichtweisen aus dem Bereich des holistischen Denkens.

  Deities

Von den Bildgestalten und weiteren andersdimensionalen Wesen.

  Der Shiva Linga

Von Shivas "abstrakter" Form.

  Leben mit einer Deity: Prashad, Abishek, Kleidung

Die Pflege, das Essen und das Badewasser der Deities.

  Deities in Flüssen und Wassertanks

Vom Wasser, das die Manifestation andersdimensionaler Wesen ist.
 
Illustratives zu diesen Themen als Filmdateien (QuickTime, MP4)

  Shalagram Shila

Kommentar von Sachinandana Swami, ISKCON, Nepal, 1999

  Durgakunda

Der Tempel und der Kunda der Durga-Devi in Varanasi

  Radhakunda und Shyamakunda in Vrindavan

Die beiden Kundas von Radha und Krishna in Vrindavan

 
 






 

 
Weil nur wenige von uns in einer aktiven Beziehung zu einem Naturgeist stehen, der immer wieder sehr gerne Schnaps und Zigaretten als Opfer entgegennimmt, möchte ich zumindest einige Deities aus der immensen Familie der indischen Götterwelt nennen. Es ist durchaus möglich, daß wir sogar die eine oder andere Deity kennen, wenn auch nur von einem indischen Kalender in einer Boutique. Andere Deities wie Exu aus dem Macumba oder Damballah, dem Gott der Schlangen aus dem Voodoo will ich hier nicht berücksichtigen: ich weiß zu wenig über sie. Ich werde mich an dieser Stelle auf die Deity beschränken, wie sie auf Wissen, Grundlage und Darstellung aus der Haut Visnus hervorgegangen ist, ausgeatmet als Schöpfung.
 
So wir er mit Brahma als Architekten zur Seite die Schöpfung seit Urzeiten ausatmet und wieder einatmet. Architekt der Welt ist nicht der Affe, der allmählich zu einem Menschen geworden ist, weil sich ein paar chemische Bestandteile gedacht haben, daß es Zeit war, einen weiteren Evolutionsschritt zu machen (Und woher kamen sie überhaupt auf diesen Gedanken?). Glücklicherweise funktionert das so nicht. Die Schöpfung bildet Abstrakte, Mandelbrote und Triolen. Und Intelligenzen wie Devas und Deities steuern diese Muster.
 
Die Deities sind nie von uns bewußt aufgesucht worden. Das British Empire unter Queen Victoria ging eher auf die Suche nach Reichtum, nicht nach Spritualität (Great Britain ohne Tea-Time? Zum Glück hat's Indien möglich gemacht.). Was für ein Vorwand. Da die Putzfrau Vishnus seinen Tempel so gut sauber gemacht hatte, bekam sie einen Wunsch frei. Königin von Indien zu sein? Schwierig. Da Du aus einer Kaste stammst, der es nicht erlaubt ist, König oder Königin zu werden, müssen wir uns etwas einfallen lassen. Vielleicht können wir diesen Wunsch indirekt erfüllen. Und damit wurde sie als Königin Viktoria reinkarniert und wurde Königin von Indien. Und so kamen all diese Briten nach Indien und wurden mit der Begegnung mit den Deities konfronitiert. Und wenn Du Dich mit einem Inder einläßt, hast Du plötzlich die ganze Verwandtschaft am Hals.
 
Diese ist zu uns gekommen. Shrila Prabhupad hat sie mitgebracht, so auch Maharishi und unzählige andere Gurus und solche, die's auf dem Buchrücken stehen hatten. Was für ein wunderbarer Besuch! Und der Besuch hat gleich alles mitgenommen, was wir nicht mehr brauchen. Hare! (Derjenige, der nimmt.)
 
 


Verehrung Shivas durch eine Arati (Kombination von Opferungen und Mantrasingen), hier im Augenblick der Opferung von Feuer. Dhuni, Zentrum der Einheit, Schweibenalp.


Es gibt soo viele Deities, im Grunde genommen kann eine jede Deity in den verschiedensten Bildgestalten verehrt werden. Ram, Hanuman, Durga, Kali, auch die zehn Mahavidyas, oder auch die Hunderttausend Mahavidyas. Eine einzige Deity kann auch Zehntausende von Namen haben, und manche Devotees verbringen ein Leben damit, nur deren Namen zu rezitieren. Die meisten Deities haben auch ein Reittier: Shiva reitet einen weißen Bullen, sein Sohn, der "Elefantengott" Ganesh, eine Ratte (im Universum ist alles möglich!), Durga reitet einen Tiger etc.
 
In der Götterwelt liebt man auch sein Auto, aber nicht in der Verzerrung, wie uns das Auto in der Werbung im Fernsehen als Liebes- und Bestätigungsobjekt eingesprochen wird, in einer distorted und erkalteten Form. Die Reittiere der Devas sind eh schneller, wendiger, eleganter und haben auch noch Seele. Den neuen Porsche verspeist Durgas Tiger zum Frühstück und ärgert sich noch über die vielen Gräten.
 
 

 



Die Jagannatha-Deity im Krishna-Tempel auf Honolulu.
 
Die indische Familie der Deities ist groß. Wir begegnen hier auch der Höchsten Persönlichkeit Gottes, Krishna. Wir begegnen Krishna in seiner abstrakten Form als Herr des Universums, Jagannatha. Sehen wir Krishna in einem Hindutempel, können wir davon ausgehen, daß es sich nicht um eine einfache Statue handelt, sondern um eine Staute, die durch das Ritual eines Devotees (eines Gotthingegebenen), oft durch einen Brahmanen, zu einer Bildgestalt geworden ist. Diese Bildgestalt ist nach dem Vollzug des Rituals die Wohnung und Manifestation der Deity, in diesem Falle Krishna. Eine solche Bildgestalt – insofern darf sie sich nun auch selbst Deity nennen – unterscheidet sich schon dadurch von einer einfachen Statue, wie wir sie in Europa kennen, daß diese aus dem Ritual hervorgegangene Bildgestalt auch rituell regelmäßig gepflegt werden muß. In diesem Fall ist das "Muß" wichtig. Sie wird morgens geweckt und gekleidet, sie bekommt zu essen, sie wird mit Räucherwerk verehrt, ihr wird Musik vorgespielt, ihr werden Gebete rezitiert (Mantren). Und am Nachmittag zieht sie sich zurück zum Mittagsschlaf. Mit der Installation der Deity in der Bildgestalt hat man vom Versprechen der Götter gebrauch gemacht, daß sie in einer Statue unter den Menschen wohnen kommen.
 
So eine Bildgestalt ist wie ein übernatürlicher Sender und Empfänger, ein Schnittpunkt zwischen Frequenz hier und Frequenz dort. Besser noch: zwischen Frequenz hier und hier, da es diesen Bereich hier und dort in dieser Thematik nur in unserer dreidimensionalen Wurstelwelt gibt, einem Bereich, wo man lebt wie im Bauch eines Overdrive-Pedals, wenn es auf fast bis ganz Maximum gestellt ist. Ich glaube unser Alltagsleben läßt sich am besten als Zustand ständigen Feedbacks schildern, dessen Pfeifen uns in den vollen Wahnsinn getrieben hat.
 
Was hier vollzogen wird, ist Bhakti-Yoga, das Yoga der Hingabe und der Gefühle. Wenn wir uns mit dem Hatha-Yoga (den gymnastischen Übungen) soweit körperlich befähigt haben, dem vibrationellen Ansturm der neuen Frequenzen halbwegs begegnen zu können (Macht die Sache eigentlich nur bequemer, ist aber keine Voraussetzung. Selbst für Bequemlichkeit ist in den Veden gesorgt.), dann beginnen wir, uns zu reprogrammieren. Die jahrtausendealte Abschwächung der chakralen Tätigkeiten werden wieder in Gang gesetzt, die verlorengegangen Gehirnanteile werden reaktiviert, eine eingleisige Denkweise wird multibetrachtend, Engstirnigkeit wird zur Übersicht; obwohl es anfänglich oft nur das Austauschen einer mehr oder minder sinnvoll geregelten Welt mit einer einfach etwas anders geregelten Welt bedeutet.
 
Vermissen Sie diese befreienden Eigenschaften des Ent-Programmiert-Seins in einer Gemeinschaft, die sie Pflegen? Jetzt sind Sie plötzlich allein. Und sie werden, sobald sie diese Eigenschaften in einer "Gemeinschaft" vermissen, allein bleiben, denn die Gemeinschaft ist so programmiert, daß Sie jetzt ausgestoßen werden (was den Voodoo-Tod bedeutet). Sie sind, solange diese Eigenschaften nicht (in ihrem Bewußtsein sichtbar) auftreten, in einer magischen Falle. Einer schwarzmagischen Falle. In einer Gemeinschaft, deren unbewußtes oder sogar bewußtes Ziel Macht über deren Mitglieder ist. Die Bad News: 99 von 100 Vereinen, denen wir uns angeschlossen haben, arbeiten unter der Oberfläche mit diesen Mitteln, meist unbewußt. Und mit Verein meine ich nicht den Briefmarken-Klub. Oder warum hat sich Osho (ehemals Bagwhan) so über die Kleinfamilie aufgeregt?
 
Oh, der böse Osho, der in seinen Rolls Royce über die Sandpisten gerollt ist. Hat da jemand Neid? Ähm, ich meine nicht Neid wegen des Rolls, denn der Neid ist nur auf den Rolls sublimiert. Eher Neid, weil er ein paar Dinge ausgeprochen hat, die andere nicht gewagt haben, auszusprechen oder zu dumm oder zu manipuliert dazu gewesen sind. Oder hat da jemand tatsächlich Neid auf eine teure Klapperkiste, mit der ein Fakir (der Frechheiten Wunderhorn!) über den Staub rollt? Mit dem Fuß verklemmt im Rabbit-Hole. Das gibt Neid. Neid schafft Feindbilder. Neid ist eine Form von Angst, zu kurz gekommen zu sein. Mechanismen, für die die herkömmliche Familie eine geeignete Brutstätte ist. Und der Rest ist beim Osho eh auf Tausenden Seiten nachzulesen, das muß ich nicht auch noch wiederholen.
 






Brahma als Schöpfer, oder als Architekt des Universums scheint als Deity in der Bhakti (Hingabe) seiner Anhänger eine etwas untergeordnete Rolle zu spielen. Obwohl es für alle möglichen Götter, Halbgötter, Geister, Heiligen und Tiere Tempel in Hülle und Fülle gibt, existiert anscheinend ein einziger Brahmatempel in ganz Indien (Ausnahmen bisher unbekannt).
 
Die Legende besagt, daß ihm einmal ein Lotos entfallen war. Dieser fiel auf die Erde und erzeugte einen See, den Lake Pushkar. Der Ort Pushkar selbst nennt seitdem den einzigen Brahmatempel Indiens sein eigen. Etwa 10 Tausend Seelen leben dort, plus die vielen Pilger oder auch Touristen, die den Ort besuchen, denn er scheint auch Anziehungspunkt für viele Israelis zu sein, die nach ihrem Militärdienst dort Erholung suchen und sich dann dort einem gemütlichen hippieartigem Dasein hingeben.
 
Links: die Brahmadeity in Pushkar.
Links unten: die Deity der Savatri Ji in ihrem Tempel auf dem Hügel neben Lake Pushkar.


Die zehn Mahavidyas
Es streiten sich die Fachleute, Brahmanen eingeschlossen, über den Ursprung der Mahavidyas. Viele Devotees übersehen sie, vielerorts sind sie schlichtweg weniger bekannt. Eigentlich sind es "nur" Manifestationen der einen Göttin, also Shakti. Und damit ist ihr Ursprung auf Parwati zurückzuführen, der Gattin Shivas. Denn als ihr Gemahl wieder einmal meditieren gehen wollte, was durchwegs eine Abwesenheit von zehntausend Jahren bedeuten konnte, hatte sie genug von seinen endlosen Meditationsabwesenheiten und Manifestierte sich als Durga, einem "schreckensvollen Weib", die auf einem Tiger ritt, um ihn am Weggehen zu hindern. Als das nichts nutzte, wurde sie zur Kali, zur Chinnamasta, und so weiter.
 
Parallel dazu gibt es die Plage der Dämonen Canda und Munda, die nicht zu besiegen waren, selbst durch Durga nicht. Also erweiterte sie sich als Kali, die dann in die Schlacht eingriff und damit die Welt der Devas retten konnte, bis sie in den Blutrausch geriet und mit dem Schlachten nicht aufhören konnte. Da legte sich Shiva, ihr Gemahl, ihr zu Füßen. Erst als sie ihn erkannte, beruhigte sie sich und hörte auf, die ganze Welt zu zerstören.
 
Aber an und für sich ranken sich um die Mahavidyas etliche Legenden, die mit tiefer Symbolik durchtränkt sind: Chinnamasta, zum Beispiel, hackt sich den eigenen Kopf ab und trinkt ihr eigenes Blut. Eigentlich nur eine andere Art auszudrücken, daß der Lohn dafür, daß man über seinen eigenen Schatten springen kann, wieder nur in sich selbst verborgen liegt. Mit dem Töten des eigenen Ego nährt man sich selbst mit so großem Erleben, daß es ist, als entdecke man sein eigenes Leben neu (das eigene Blut trinken). Oder aber neue Energie (-flüsse), von denen man zunächst nichts geahnt hat.
 
Und damit betreten wir bereits die Wissenschaft des Yoga, der Art zu leben, die dann in jedem Menschen die schlummernden Kräfte erweckt. Kennt man die Techniken, die durch die Mahavidyas geoffenbart sind, setzt man chakrale Energien wieder in Bewegung, die seit (vermutlich) Tausenden von Jahren zwar latent in uns vorhanden sind, aber praktisch wegprogrammiert sind. Mit diesen Yogatechniken werden die inneren Energieströme so aufgeheizt, daß es früher oder später zu einer Erweckung der Kundalini kommt. Nichts für Anfänger.

 
Jagannatha
Eine äußerst eigenwillige Manifestation Krishnas ist seine Form als Jagannatha. Genau genommen handelt es sich um eine dreifache Deity: Krishna in seiner Form als Jagannatha (mit schwarzer Haut, denn Krishnas Haut ist bläulich bis schwarzfarben), sein Bruder Balarama und seine kleine Schwester Subadra. Im Bild oben sehen wir links Balarama links und Subadra rechts, darunter alle drei Deities und darunter sogar noch einige Shalagram Shilas.
 
Über den Ursprung dieser abstrakten Form Krishnas gibt es verschiedene Geschichten. Die eine erzählt von König Indradruma, der auf Anordnung Krishnas aus einem angeschwemmten Stück holz eine Bildgestalt machen lassen sollte. Der Schreiner, der den Auftrag bekam (der in Wirklichkeit der himmlische Architekt Vishvakarma war), verschwand plötzlich und hinterließ die Arbeit anscheinend nur unvollständig. Dem enttäuschten König erschien aber der Heilige Narada und klärte ihn darüber auf, daß es sich bereits um eine fertige, vonn Krishna beglaubigte Form einer Bildgestalt handelte. So konnte sich auch Krishna in einer abstrakten Form manifestieren.
 
Eine andere Sage erzählt von den Gopis, den Kuhhirtinnen, die Krishna nachts in den Gärten Vrindavans besuchte, um sein Lila (Spiel) auszuleben. Eines nachts wollten sich die Gopis ungestört über ihre Beziehung zu Krishna unterhalten und schickten seine Schwester zum Parkeingang, um Schmiere zu stehen. Doch, fasziniert von den Schilderungen der Gopis, bekam Subadra große Augen und vergaß vor lauter Verzückung auf ihre Pflicht. Also bermerkte sie auch nicht Krishna und Balarama herankommen. Zu dritt standen sie dann dort und lauschten alle Drei mit großen Augen den verzückten Schilderungen der Gopis.
 
Für vedische Verhältnisse ist wohl eine Deity wie Jagannatha so, als würde man von Picasso ein Portrait Krishnas malen lassen. Für mich persönlich ist sie eine absolut faszinierende Form Krishnas, die mich weitaus mehr anspricht als seine übliche. Die Original-Jagannatha-Form steht in ihrem Tempel in Puri. Nur für Hindus. Anscheinend haben Devotees schon alles Mögliche an Tricks ausprobiert, um als "Nicht-Indische-Hindus" hineinzukommen. Trotz aller Verkleidungen und Schminke anscheinend unmöglich. Man spricht davon, daß die Tempelwächter das Fleisch riechen, daß man einmal gegessen hat, vielleicht sogar das Fleisch, das unsere Eltern gegessen haben, und alle Generationen vor ihnen.
 

 

Savatri Ji
Alles war schon für die Hochzeit Brahmas vorbereitet. Nur die Braut fehlte noch, die saß vermutlich noch vor dem Schmiktisch und litt unter Entscheidungsschwierigkeiten. Da man mit der Zeremonie endlich anfangen wollte, suchte man sich für eine Ersatzbraut, wieder einmal eine Gopi (Kuhhirtin). Daraus schließe ich, daß Kuhhirtinnen besonders gut zu Göttern passen oder daß sie besonders hübsch sind. Trotz allem: für Brahma war natürlich die Kuhhirtin zu unrein, also mußte sie zuerst gereinigt werden, was damit gelöst wurde, indem man sie einer Kuh ins Maul stopfte und hinten wieder hinauszog. Also wurde die Hochzeit vollzogen. Zu dumm, kurz nach der Trauung tauchte plötzich die unsprünglich als Braut gedachte Dame auf und machte ein furchtbares Theater. Eine gräßliche Schlägerei brach aus und nur mit Mühe konnte man die beiden Damen trennen.
 
Um weitere Auseinandersetzungen zu vermeiden, bekam eine jede ihren eigenen Tempel auf je einem Hügel auf beiden Seiten von Lake Pushkar, Savatri und Navatri. Und seitdem beschießen sie sich gegenseitig mit Raketenwerfern.
 
Ich hatte Gelegenheit, den Tempel der Savitri auf dem Berg Ratnagiri zu besuchen, hunderte von steinernen Treppen führen unter der glühenden, sengenden Hitze zu ihm hinauf. Es gibt ein Buch über Sadhus, in dem man einige Gläubige sieht, die kurz vor dem Tempeleingang sind. Ihre gequälten Gesichter erzählen von dem leidvollen Aufstieg. Ich kann es nur bestätigen, ich habe mich nach einem Aufstieg auf einen kleinen Berg noch nie so elend gefühlt, wie auf dem Hügel mit dem Savitri-Tempel. But i would do it again anytime.
 

 

 

Fassen wir kurz zusammen: Es gibt Energie und es gibt Energie. Es gibt die Energie der Freude, die völlig neural ist (eigentlich wollte ich "neutral" schreiben, aber lassen wir's mal so). Man kann sich über eine gute Tat freuen, oder darüber Freude empfinden, daß es einem gelungen ist, ein israelisches Restaurant mit möglichst vielen Erwachsenen und Kindern erfolgreich in die Luft gejagt zu haben. Leuchtende Augen sind noch kein Beweis für Spiritualität. Und es gibt Magnetismus, auch eine Energieform. Jeder Schwarzmagier studiert deren Handhabung (Hallo Politiker! Hallo Werbeagentur!).
 
Deities sind voller Energie. Das ist einmal die "physikalische" Erklärung. Deities sind aber auch eine Person. Ein "Kami", wie es die Japaner ausdrücken. Ein "Gott". Da aber das Wort Kami nicht nur Gott heißt, sondern auch höhergestellter Geist, kommen wir der Sache näher. Im Konzern der Götter und Asuras (Dämonen) sind die Stellen mit allerlei Goodies und Baddies belegt. Mit denen reden wir und beantragen damit das, was uns aus dem Wald widerhallt, wenn wir hineinrufen. Zugegeben: so manche Deity entpuppt sich manchmal als Papiertiger, denn "Kami" heißt auch Papier.
 
Gleichzeitig ist auch ein Tempel in Japan oft (Shinto, Buddhismus) mit Blitzen aus Papier behängt. Was für mich für die in diesem Fall meist weiße Energieform symbolisch ist.
 
Deities können zur Reflexion verhelfen. Oder aber wir nehmen Kontakt mit einer Wesenheit auf, deren Sprache wir erst nach und nach verstehen können, da unsere derzeitigen chakral gesteuerten Selbstenergien nur Bruchteile ihrer Kommunikation entziffern und verarbeiten können.
 
Erst über die Oszillation mit einer Deity wird ihre Sprache verständlich!
 
Also bitte vergeßt den Blödsinn mit dem Götzendienst. Deities sind realer als Angelina Jolie. Von der habe ich bisher nur Drucksachen und elektronische Abbildungen gesehen. Also Abbildungen dritter Hand. Deities habe ich second Hand wahrgenommen. Also mit meinen bescheidenen Mitteln, die Welt wahrzunehmen: meinen Sinneseindrücken, die an mein Gehirn gesandt werden. Und mit den zusätzlichen Hilfsmitteln, den Emotionen, die den Schlüssel zur multidimensionalen Wahrnehmung bilden.
 


Tulassi Devi, in ihrer Manifestation als Strauch.


Manchmal ist die Rede von selbstmanifestieren Deities. Diese wachsen aus einem Felsen hervor oder werden bei Vollmond in einem Flußbett gefunden. Ähnlicherweise manifestieren sich Deities auch oft in einem Fluß oder in einer Pflanze.
 
Eine solche Deity ist die Tulassi Devi. Sie manifestiert sich in einem Strauch (Ocimum Sanctum). Sie wird oft im Zusammenhang mit anderen Deities – wie soll ich sagen – "gebraucht". Ihre Blätter werden den geopferten Speisen für Radha und Krishna beigemengt. Aus ihrem Holz werden die Perlen der Japas hergestellt, die als Rechenschieber für die Menge an rezitierten Mantren dienen, den 108-perligen Gebetsketten der Devotees. Ihr Holz dient auch dazu, Halsketten herzustellen, die als Schutz vor Yamaraj dienen, dem Verwalter des Todesreiches, der durchwegs einmal krumme Dinger dreht, denn wer im Augenblick seines Todes eine solche Kette trägt, über den hat Yamaraj keine Macht. Diese Technik wurde oft von Krishna-Devotees als Sterbehilfe angewandt.
 
 

Auch von Krishna gibt es eine selbstmanifestierte Bildgestalt, eigentlich sogar mehrere. Es gibt den Shalagram Shila, eine schneckenförmige Steingestalt, etwa eine Handfläche groß. Diese findet man im Kali Gandhaki Tal in Nepal. Eine weitere seiner Manifestationen ist der Govardhan Hügel in Vrindavan, den man zur Verehrung umrundet (einen "Parikran" macht). Diese Umrundung beginnt in der Regel um ca. 4 Uhr morgens, gegen Mittag ist man wieder am Ausgangspunkt und denkt weniger an Krishna, soder eher an ein kühles Cola. Dennoch kann ich niemand davon abraten, dieses Tapasya (Opfer) auf sich zu nehmen. Man umrundet nicht alle Tage einen Ort, an dem sich die Unendlichkeit mit der Endlichkeit trifft. Es ist aber dringend davon abzuraten, einen der dort herumliegenden Steine mitzunehmen, es würde eine karmische Belastung über Generationen hinweg bedeuten. Genausowenig ist es ratsam, einen aus dem Kali Gandhaki Tal stammenden, oft gewaltsam aufgebrochenen Shalagram Shila zu erstehen, es hätte die gleiche Wirkung. Und um einen Shalagram Shila richtig zu verehren, braucht es gewisse Einweihungen zur Voraussetzung.
 



Selbst wenn Shiva essen will, muß er eine Deity um Essen bitten, in diesem Fall die Annapurna. Deityreihe in einem Tempel in Varanasi.
 
Gut: Wenn wir ein paar Sprossen weiter hinunterklettern, begegnen wir anderen Deities, oft sind es Naturgeister, Geister, Dakinis (weibliche Geister) und vielem Anderen, wofür ich keinen Namen habe. Im japanischen Shinto geht man sogar soweit, Verstorbene zu einer Deity zu erklären, indem sie "einshrined" werden (was sich im Shinto sogar mit einem alten Shuh oder einer Sardinenbüchse machen läßt!). Und wenn ich richtig informiert bin, ist auch der verstorbene Konzerngründer von Kawasaki ebenfalls enshrined. Morgens vor der Arbeit sprechen die Angestellen ihre Gebete zu ihm. So leitet er auch aus dem Jenseits den Konzern weiter.
 
Wobei wir allmählich den Unterschied zwischen einer Bildgestalt und einer Reliquie machen müssen, denn die Blumengirlande, die Swami Prabhupad (der Begründer der Krishna Bewegung) trug, als er starb, ist zwar in Mayapur in einem Mausoleum in Salz eingelegt, wird aber natürlich nicht als Deity verehrt. Dafür genießt er aber bis zum heutigen Tag die Guruverehrung; so wird seine Bildgestalt jeden morgen unter Gesängen durch den Tempel in Mayapur getragen.