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![]() Wir hatten unsere Augen und unsere Ohren. Für die Augen gab es Bücher und für die Ohren gab es Schallplatten. Keiner von uns hatte so etwas wie einen Kassettenrecorder, und einige von uns konnten sich so etwas auch gar nicht leisten. Also hörten wir Schallplatten und liehen uns gegenseitig die Schallplatten aus, in der Hoffnung, daß sie nicht allzuviele Kratzer abbekommen würden. Und wer ausgeliehene Platten schlecht behandelte, erhielt das Tagesbuh. Im Bild rechts ist so ein Plattenstapel zu sehen (SG24): Beim näheren Hinschauen ist ganz vorne natürlich unser Kultalbum "Abraxas" zu sehen (Santana). |
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Die Ur-Voodo-afrokaribische Pop-Musik. Das war eine von den Platten, bei der man mitspielte und so trommeln lernte (tatsächlich fingen einmal meine Hände wie von allein zu spielen an ...). Aber allein das Anhören ist ein Gedicht. Viele handmade Instruments, von Congas bis zu allerlei Glocken und Schellen und dazu Exumas rauhe Stimme begleitet von seiner akustischen Gitarre und dem schwarzen Chor. Haiti-Pop. Der 1997 friedlich im Schlaf verstorbene McFarlane Anthony McKay, genannt Exuma, the Obeah Man veröffentlichte gesamthaft nur sechs Alben, erhielt aber von Königin Elizabeth II. sogar das British Empire Medal. http://de.wikipedia.org/wiki/Exuma_(Musiker) http://boscarol.com/nina/html/manual/friends/exuma.html |
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Lange Jahre war mir diese Platte in Vergessenheit geraten, bis ich beim Surfen einen Plattenladen in Köln entdeckte, der sie feilbot. Das war der Ur-Sound aus der Schubertgasse 24. Und noch heute kann man diesen Afrojazz problemlos hören. Ich wage zu behaupten, es gibt wenig Vergleichbares, was diesen Ur-Sound heute anzubieten hat. Trommeln, Gesang, Schlagzeug, Kontrabaß und Flöte. Dazu noch ein langer Hüllentext von niemand Geringerem als Jochen Ernst Behrendt. |
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Eine Platte, die die lange Odyssee aus der Hippiezeit in die Gegenwart mitgemacht hat. Die erste und eine der schönsten Sitarplatten, die ich jemals gehört hatte. Auch diese war in der Schubertgasse oder manchmal, weil ausgeborgt, woanders anzutreffen. Wir hatten ja damals nicht einmal Kassettenrecorder (weil wir uns diese auch nicht unbedingt leisten konnten), also tauschten wir untereinander die Schallplatten aus. Anscheinend ist auch diese Platte nicht mehr erhältlich, auch nicht auf der Website von der Deutschen Grammophon nicht mehr auffindbar. Wie weit der Hipp-Fanatismus ging, konnte man daran erkennen, daß einer unserer Langhaarigen das Tragen der Armbanduhr deplaziert fand, die auf dem Hüllenfoto zu sehen ist (!). |
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Meine ganz erste Schallplatte mit indischer Musik. Es gab keine besonders große Auswahl, weder an indischen Platten, noch an Räucherstäbchen. Also hörte ich plötzlich nordindische Vokalmusik. Ich erinnere mich noch genau an die endlos langen Passagen mit ihrer spärlichen perkussiven Begleitung und an den Geruch der einfachen Räucherstäbchen. Aber eigentlich konnte ich mir keinen rechten Reim aus dem Dargebotenen machen. Interessanterweise erstand ich vor nicht allzulanger Zeit in Wien Peter Pannkes wunderbares Buch "Sänger müssen zweimal sterben." über indische Musik und seiner Erlebnisse in Indien. Anscheinend hat auch Herr Pannke genau diese Platte zu dieser Zeit erstanden und sich so sehr vom Dhrupad angesprochen gefühlt, daß er einen großteil seiner Studien der indischen Vokalmusik widmete. |
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Hippie goes spiritual. Die absolute und totale Indien-Rockband aus den Sixties/Seventies. Rock, Jazz, Mantrasingen, psychedelische Sounds aus Notting Hill Gate, dem wildesten Hippietreff im Swinging London. Gegründet vom australischen Flötisten Raja Ram war das für einige von uns der Soundtrack von einem neuen Leben. Zum Teil sind die Songs noch auf Compilation-Alben erhältlich, wer sich nicht stört am etwas antiquierten Sound, dem soll das wärmstens empfohlen sein. Leider reicht das Format der CD nicht, die zum Teil unglaublich aufwendigen Plattenhüllen gerecht wiederzugeben, den auf der Rückseite fand sich ein Altar mit den wichtigsten Vertretern der spirituellen Welten. Und heute? Man höre und staune, Raja Ram machte einen Dive Deep in die Welten des Goa-Sounds und produziert heute wunderbaren, heftigen Psi-Trance als Spongle. http://de.wikipedia.org/wiki/Quintessence http://www.mooncowhq.ch/Quintessence/ http://www.shpongle.org/ |
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Liquid Acrobat As Regards The Air Die String Band spielte alles, von der Sitar bis zum Heizkörper und tat so als könnte sie auch noch dazu singen. Wenn man von den musikalischen Fähigkeiten der Interpreten ein wenig absieht, hält man aber eine wunderschöne Klangcollage in den Händen, voller Poesie und voller psychedelischer Träumereien. Der Titel allein beschreibt die Stimmung: Cosmic Boy wird von den Klängen der Incredible String Band auf den Schwingen der elektrischen Gitarren, der Sitar, der Flöten und des Klaviers, das sie sich sicher aus einem Pub ausgeliehen hatten, weit, weit davon getragen. Und ist das nicht wunderbar, so schöne Lyrik zu schreiben? |
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Da Zwirschna hod domois gsogt: "De gibt's aa nimma laung, waun ma a Plottn mit an so an noman ausabringt, daun lösn's sa se auf." Denkste. Jethro Tull gibt es heute noch. Ein erstaunliches, ein schwungvolles, ein poetisches Album, das optisch sein Pendant in der Jethro Tull Live DVD vom damaligen Isle of Wight Festival findet (ebenfalls ein absoluter Muß für Tull Fans und nicht Tull Fans, bzw. solche, die offen genug sind, so etwas wie Tull kennenzulernen). Auch hier, wie bei der Incredible String Band wunderbare Texte. Schon allein Ian Anderson's Lyrics ist Literatur, die sich bei einem leicht psychedelisierten Charles Dickens ansiedeln könnte. So gibt es passend dazu eine Analyse des "Aqualung"-Albums. Literaturangabe: "Aqualung" von Allan Moore. www.continuumbooks.com Tull in den early Seventies im Wiener Hallenstadion zu sehen, zählte zu den eindrücklichsten Konzerterlebnissen meines Lebens. Erst dreißig Jahre später beim Betrachten der Isle of Wight DVD wurde meine bereits verblaßte Erinnerung wieder aufgefrischt. Ich würde behaupten, bei Tull handelt es sich eher um die Dichterlesung Ian Andersons, die von der Band musikalisch untermalt bzw. illustriert wird. Siehe dazu Allan F. Moore's Buch darüber. Und wer mehr von Ian Anderson lesen will, der genieße seine Kommentare und Musings auf der Tull-Website. Aber obacht: kein sehr einfaches Englisch! http://www.jethro-tull.com |
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Muß man ihn noch vorstellen? Einer von uns sammelte Zappa, ein anderer Stones und der Hausintellektuelle Dylan. Ergänzend dazu gab es Adorno und Max Frisch. Irgendwo schien da eine Allegorie gepflegt zu werden, denn H sprach davon, die Vision gehabt zu haben, auf dem Motorrad zu sterben. Irgendwo resonierte da Dylan's Unfall. Zum Glück ist nichts passiert. Dylan schaffte es, uns bis in die Gegenwart zu begleiten, ähnlich wie Neil Young mit seinem Album "After The Goldrush". Für manche von uns waren es die Dylan Songs, die sich mit dem goldenen Licht des Helenentals zu einer märchenhaften Erinnerung verknüpften, für mich eher die "After The Goldrush". Dennoch: viele Jahre später verbrachte ich Zeit damit "Desolation Row" auswendig zu lernen. Wie H bemerkt hatte: Sein Vater zitierte Goethe, er selbst zitierte Dylan. |
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Als ich noch in Baden wohnte, hatte ich das feine Verngnügen, den Architekten und vor allem Zeichner Anton Wichtl kennenzulernen. Wir zeichneten uns sogar gegenseitig während er einmal die Weichnachsausstellung der Badner Künstler hütete. So kam es, das ich ihn zwei oder dreimal zuhause besuchte und zum Plattenhören die "Five Bridges Suite" der Nice* mitbrachte. Was er nicht kannte. Dafür legte er für mich Gamelan-Musik auf. Was ich nicht kannte. Es war eine Zeit, da spielte Altersunterschied keine Rolle. Auch nicht ein Unterschied in der Lebensanschauung. Hauptsache der Eine konnte den Anderen mit auf Entdeckungsreise nehmen. * Das war die Gruppe rund um Keith Emerson, bevor er Emerson, Lake and Palmer gründete: Orgel, Baß und Schlagzeug. Und im Falle der "Five Bridges Suite" noch das Sinfonia of London. |
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Der vollständigkeit halber sei auch diese Scheibe erwähnt, zusammen mit dem "Heiteren Bezirksgericht" bzw. "Travniceks gesammelte Werke". Ja, es gab unter uns solche Elemente, die diesen Wahnsinn hörten, und zwar so oft, bis man's auswendig kannte. Aber in erster Linie war es die heimliche Liebe zur Heimat und seiner Skurrilitäten. Und diese Skrurrilitäten trieben uns vor Lachen die Tränen in die Augen und lösten manchmal sogar akuten Sauerstoffmangel aus. Aber unter dem Strich: Hier wird alles zusammengefaßt, was wir im Grunde genommen zutiefst verachteten. |
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